Der beste Start ins Leben
Mit ihrem ersten Kongress unter dem Motto "Wege zum bestmöglichen Start ins Leben" hat die Stiftung European Foundation for the Care of Newborn Infants (EFCNI) eine Diskussion über die Versorgungslage von Frühgeborenen unter Fachleuten, bei Krankenkassen und in der Politik angestoßen. Auf einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung in Berlin sprachen Vertreter von Betroffenen, Fachgesellschaften und Gesundheitswesen nicht mehr nur über Methoden zum Überleben eines kleinen Frühgeborenen, sondern welche Wege gegangen werden müssen, um ihm einen bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen.
Eltern nicht alleine lassen
Aus zahlreichen Studien wie dem aktuellen Global Report der WHO geht hervor, dass für die optimale Entwicklung eines Frühgeborenen das soziale Umfeld des Kindes eine große Rolle spielt. Aufbau von Bindung, kompetente Eltern, Aufbau von Netzwerken im Umfeld der betroffenen Familien und Nachsorge werden immer mehr in die Behandlungskonzepte aufgenommen, doch fehlt es an kontrollierten Qualitätskriterien, die diese verbindlich werden lassen für alle Kliniken, die Frühgeborene behandeln: "Bei der Versorgung sehr unreifer Frühgeborener gibt es noch erheblichen Verbesserungsbedarf in Deutschland," stellte Prof. Christian Poets von der Universitätsklinik Tübingen im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf dem Berliner Kongress fest. " Es fehlt an Anstrengungen, die zu frühe Geburt wirksamer als bisher zu verhindern, es gibt zu viele Kliniken mit zu wenig Erfahrung in der Versorgung dieser Kinder, und es gibt kaum strukturierte Nachsorgeangebote für die Zeit nach der Entlassung aus der Klinik. Hier fühlen sich Eltern oft regelrecht allein gelassen."
Hilfestellung für Familien
"Neben den Verbesserungen in der geburtshilfliche und neonatalen Versorgung sollten Verbesserungen in der gesamtheitlichen Versorgung der Familien von reifgeborenen und frühgeborenen Säuglingen eine prominentere Position in der Gesundheitsplanung einnehmen," bestätigte auch Dr. Dieter Wolke, Professor of Developmental Psychology and Individual Differences der University of Warwick. Bei reifgeborenen Säuglingen könne die Hilfestellung für die häufig auftretenden so genannten Regulationsstörungen wie persistierendes Schreien, Schlaf - und Fütterungsprobleme durch bessere Aufklärung und Beratung bereits in den geburtsbereitenden Schulungen stark verbessert werden. Dadurch könnten die Belastung der Eltern und schwerwiegende Folgen (z.B. Schütteln des Kindes) vermieden werden. Sehr frühgeborene Kinder und deren Familien sollten über die ersten Lebensjahre begleitet werden, größere Frühgeborenen und deren Familien nicht vergessen werden: "Es macht gesundheitsökonomisch wenig Sinn, sehr viel in die neonatale Versorgung zu investieren, um diese Erfolge nicht durch eine langfristige Versorgung zur Verbesserung des psychologischen Wohlbefindens und der schulischen Karriere zu konsolidieren," schloss Wolke.
Flächendeckende Nachuntersuchung für die kleinen Patienten
Um die Qualität der Frühchenversorgung in den Krankenhäusern noch besser einschätzen zu können, sei eine flächendeckende Nachuntersuchung im Alter von zwei und fünf Jahren notwendig. Denn erst da zeige sich, ob und welche Schäden die Kinder davongetragen haben, erklärte Dr. Elisabeth Siegmund-Schultze, Gynäkologin und Abteilungsleiterin bei der KKH-Allianz. Eine entsprechende Langzeitstudie wird zurzeit mit Unterstützung der KKH-Allianz in Niedersachsen durchgeführt. Rund 88.000 Euro hat die KKH-Allianz bereits in dieses Projekt investiert. "Nur wenn wir wissen, wo Therapie und Unterstützung ansetzen müssen, können wir den kleinen Patienten nach ihrem schweren Start ins Leben helfen", so Dr. Siegmund-Schultze.
Das Thema Frühgeburten hat bei der KKH-Allianz einen hohen Stellenwert. Neben der Langzeitstudie finanziert die KKH-Allianz auch eine eigene Studie zur Reduktion der Frühgeburtenrate.
Außerdem begrüßte Dr. Siegmund-Schultze die Einführung einer Mindestfallzahl für besonders unreife Frühgeborene für Krankenhäuser. "Dass Geburtskliniken nur dann Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von unter 1500 Gramm betreuen dürfen, wenn sie mindestens 14 von ihnen im Jahr versorgen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Kliniken, die diese kleinen Lebewesen betreuen, müssen über die notwendige medizinische Ausstattung, das Know-how von Personal und Ärzten und ausreichend Kapazitäten verfügen!", so Dr. Siegmund-Schultze.
Silke Mader forderte als Vorsitzende der EFCNI zusammenfassend den Aufbau und Stärkung einer strukturierten Nachsorge im klinischen aber auch niedergelassenen Bereich mit spezialisierten Kinderärzten. Dies sollte Hand in Hand gehen mit einer Familien-zentrierten Versorgung und flächendeckender Betreuung von Eltern, beginnend vor der Geburt des Kindes bis zur Begleitung nach Hause.
Der 1. Kongress der EFCNI wurde gemeinsam mit dem Bundesverband "Das frühgeborene Kind" e. V. und der GNPI vorbereitet und durchgeführt, unterstützt von dem Gesundheitsunternehmen Abbott.
Quelle: Pressemeldung KKH-Allianz
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