Erstattung einer effektiven Rauchentwöhnung macht sich bezahlt
Chronisch kranken Rauchern sollte die Rauchentwöhnung von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattet werden, fordern Ärzte wie Gesundheitsökonomen auf Basis aktueller Studien. Das verlängere Leben, erhöhe Lebensqualität und entlaste das deutsche Gesundheitssystem. Eine Analyse des Gesundheitsökonomen Professor Dr. Jürgen Wasem anhand chronisch kranker Raucher ergab, dass eine medikamentös unterstützte Tabakentwöhnung den Krankenkassen im Falle einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) 1.338 Euro pro Patient spart und gleichzeitig das Leben der Patienten verlängert.
Professor Dr. Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen analysierte, wie hoch die der GKV entstehenden Lebenszeitkosten chronisch kranker Raucher sind, die ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Rauchentwöhnung erhielten. Berechnungsgrundlage waren die in den Zulassungsstudien ermittelten Abstinenzraten nach 12 Monaten. Demnach liegt die langfristige Erfolgsquote der medikamentösen Tabakentwöhnung bei etwa einem Drittel, gegenüber 15 Prozent bei Plazebo1. Das Ergebnis der Analyse: In Bezug auf die COPD verursacht ein Raucher bei medikamentöser Rauchentwöhnung restliche Lebenszeitkosten von 23.646 Euro. Bei einer Entwöhnung mit Plazebo fallen 24.984 Euro an - die GKV spart somit 1.338 Euro pro Patient. Noch deutlicher ist der Spareffekt bei der koronaren Herzerkrankung (KHK). Hier ermittelte der Experte eine Ersparnis in Höhe von 2.681 Euro pro Patient. Die These, dass Menschen, die rauchen, aufgrund ihres früheren Ablebens dem Sozialversicherungssystem weniger kosten würden, entspreche also nicht der Realität.
Rauchentwöhnung bei COPD die effektivste Therapie
"Gerade im Hinblick auf die chronisch obstruktive Lungenerkrankung ist eine Tabakentwöhnung nicht nur die wirksamste, sondern auch kosteneffektivste Maßnahme, um das Voranschreiten der Erkrankung zu stoppen und damit - auch kurzfristig - weitere Kosten zu sparen", sagte Professor Dr. Stefan Andreas, Leiter der Arbeitsgruppe Tabakprävention bei der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Patienten mit einem so genannten "Raucherhusten" weisen häufig eine besonders ausgeprägte Nikotinabhängigkeit auf. "Tabakkonsum ist keine Frage von Lifestyle, sondern eine ernsthafte Suchterkrankung, die es zu behandeln gilt", so Andreas weiter. Er wandte sich damit gegen die Einordnung von Medikamenten zur Rauchentwöhnung als nicht erstattungsfähige Lifestyle-Präparate. Bislang sind diese Präparate im Sozialgesetzbuch (SGB) V als nicht erstattungsfähige Lifestyle-Produkte eingeordnet (§34, Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel) und müssen somit vom Patienten selbst bezahlt werden.
Fachgesellschaften fordern Erstattung der Rauchentwöhnung
Die Bundesärztekammer forderte den Gesetzgeber im Rahmen des 113. Ärztetages im Mai 2010 dazu auf, § 34 SGB V den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen anzupassen und Medikamente, die die Erfolgschancen einer Rauchentwöhnung verbessern, in die Erstattungspflicht der GKV aufzunehmen2. Ebenso betont die DGP in ihrer S3-Leitlinie zur Tabakentwöhnung bei COPD, dass die Einordnung medikamentöser Entwöhnungshilfen als nicht erstattungsfähige Lifestyle-Präparate den Notwendigkeiten der evidenzbasierten Behandlung nicht gerecht werde und die Tabakentwöhnung nachhaltig auf allen Versorgungsebenen gefördert werden müsse3.
COPD - Die unbekannte Volkskrankheit
Rund 17 Millionen Bundesbürger greifen täglich zur Zigarette und etwa 15 bis 20 Prozent entwickeln im Laufe ihrer "Raucherkarriere" eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung4, die im Volksmund auch "Raucherlunge" genannt wird. Derzeit leiden etwa fünf Millionen Bundesbürger an der Erkrankung4 und in mehr als 80 Prozent der Fälle ist das Rauchen ursächlich5.
COPD wird als Sammelbegriff für die chronisch obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem verwendet. Die Bronchitis ist eine Entzündung der Luftröhre und der Bronchien. Unter Lungenemphysem versteht man eine Überblähung der Lunge mit Luft, die durch eine Zerstörung der Trennwände zwischen den Lungenbläschen ausgelöst wird. Typische Symptome sind Atemnot, Husten und Auswurf. Stellen Patienten ihren Zigarettenkonsum nicht ein, schreitet der Lungenfunktionsverlust immer weiter voran und geht mit zunehmenden Behinderungen der Patienten einher.
Die Folgen sind hohe Therapiekosten sowie indirekte Kosten durch Produktivitätsverlust. Auf 5,93 Milliarden Euro beziffert die Bundesärztekammer alleine die jährlichen volkswirtschaftlichen Gesamtkosten der COPD6.
1. Cahill K, Stead LF, Lancaster T: Nicotine receptor partial agonists for smoking cessation. Cochrane Database of Systematic Reviews (2008)
2. Bundesärztekammer, Beschlussprotokoll 113. Deutscher Ärztetag. S. 121 (2010)
3. Andreas S et al.: Tabakentwöhnung bei COPD. Pneumologie; 62: 255-272 (2008)
4. Bundesverband der Pneumologen, 2010 (www.lungenaerzte-im-netz.de/lin/show.php3)
5. Rabe KF, Hurd S, Anzueto A, et al.: Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of Chronic Obstructive Pulmonary Disease: GOLD Executive Summary. Am. J. Respir. Crit. Care Med. 176 (6): 532-55 (2007)
6. Nationale Versorgungsleitlinie COPD, Bundesärztekammer (2010)
Quelle: Pressemeldung Pfizer Pharma GmbH
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