Kaiserschnitt liegt bei Schwangeren immer mehr im Trend
Immer mehr Babys erblicken per Kaiserschnitt die Welt. Das ergab eine aktuelle Auswertung der Versicherten-Daten der KKH-Allianz. Demnach hat im Jahr 2004 rund jede vierte Frau (27,85 Prozent) per Kaiserschnitt entbunden, im Jahr 2008 war es schon fast jede dritte Frau (31,39 Prozent). Diese Entwicklung belegt auch die offizielle Statistik der Bundesgesschäftsstelle für Qualitätssicherung (BQS). Bei Einlingsgeburten lag die Kaiserschnittquote im Jahr 2004 bei 26,39 Prozent, 2008 stieg sie auf 30,1 Prozent. Laut einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Entscheidung zum Kaiserschnitt jedoch nur bei 10 Prozent der Geburten medizinisch notwendig.
"In Deutschland werden mehr Entbindungen per Kaiserschnitt durchgeführt, weil es häufiger Risikoschwangerschaften zum Beispiel durch übergewichtige und durchschnittlich ältere Schwangere gibt", erklärt Dr. Elisabeth Siegmund-Schultze, Gynäkologin bei der KKH-Allianz, die Entwicklung. Sie vermutet jedoch noch einen weiteren Grund für die Zunahme der Kaiserschnitte: "Schwangere entscheiden sich immer häufiger für einen Wunsch-Kaiserschnitt - oftmals aus Angst vor der natürlichen Geburt", so die Frauenärztin. Deshalb rät die Gynäkologin, die Sorge vor der Entbindung mit der behandelnden Ärztin oder der Hebamme ausführlich zu besprechen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Denn ein Kaiserschnitt sei zwar heute ein routinemäßiger Eingriff, "er kann aber auch schmerzhafte Komplikationen wie eine Wundheilungsstörung oder dauerhafte Unterbauchschmerzen auf Grund von Verwachsungen zur Folge haben."
Bei den sogenannten Risikoschwangerschaften ist ein Kaiserschnitt dagegen oft sinnvoll, manchmal sogar unumgänglich, weiß Dr. Siegmund-Schultze. Beispielsweise bei Querlage des Kindes oder wenn die Nachgeburt vor dem Muttermund liegt, ist der Kaiserschnitt die einzige Möglichkeit. Aber Risikoschwangerschaft heißt nicht gleich, dass ein Kaiserschnitt notwendig ist. 24,1 Prozent der Mehrlinge (BQS) erblickten beispielsweise 2008 auf natürlichem Weg das Licht der Welt.
Die Daten-Auswertung der KKH-Allianz hat außerdem gezeigt, dass sich die Mehrheit der Frauen (98 Prozent) nach wie vor für eine Entbindung im Krankenhaus entscheidet. Nur rund zwei Prozent der Schwangeren haben im Jahr 2008 ihr Kind außerhalb eines Klinikums zur Welt gebracht, zum Beispiel in einem Geburtshaus oder per Hausgeburt im Beisein einer Hebamme. Jede sechste werdende Mutter wurde aufgrund von Komplikationen während der Geburt in ein Krankenhaus verlegt.
Während Hausgeburten über die Woche gleichmäßig verteilt sind, nimmt die Zahl der Entbindungen in Klinken zum Sonntag bis zu 30 Prozent ab. An Sonntagen wurden in Krankenhäusern laut KKH-Allianz Auswertung 1782 Kinder geboren, an Donnerstagen waren es 2513 Babys. "Das verwundert nicht, denn es ist klar, dass planbare Geburten in die üblichen Arbeitszeiten gelegt werden", erklärt Dr. Siegmund-Schultze.
Die meisten Kaiserschnitte werden übrigens in den alten Bundesländern durchgeführt: Spitzenreiter ist das Bundesland Saarland mit einer Kaiserschnittquote von 39 Prozent. Auch in Hessen und Nordrhein-Westfalen bekommt jede dritte Frau auf diesem Wege ihr Baby (35 Prozent). Die wenigsten Kaiserschnitte gibt es in Berlin und Sachsen (23 Prozent), in Sachsen-Anhalt und Thüringen liegt die Quote bei 27 Prozent.
Quelle: Pressemeldung KKH-Allianz
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