"Kaiserschnitt nur im Notfall"

09.03.2010 | Hamburg
Im Interview: Dr. Christiane Kutter-Deest, Fachärztin für Frauenheilkunde und DAK-Expertin

Frage: Wann ist ein Kaiserschnitt sinnvoll?

Dr. Christiane Kutter-Deest: Gründe für einen medizinisch angezeigten Kaiserschnitt können gerade beim ersten Kind eine Beckendlage sein oder wenn die Plazenta vor dem Geburtskanal liegt. Klar ist, wenn ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig ist, gibt es keine Alternative. Manchmal rettet er sogar das Leben von Mutter und Kind.

Frage: Laut Weltgesundheitsorganisation bestehen jedoch nur bei jeder zehnten Geburt medizinische Gründe für einen Kaiserschnitt. Trotzdem kommt heute in Deutschland jedes dritte Kind per Sectio auf die Welt…

Dr. Christiane Kutter-Deest: Stimmt. Dass die Kaiserschnittrate so hoch ist, hat tatsächlich nur zum Teil medizinische Gründe. Ein weiterer Grund für den Anstieg ist eben auch das immer höhere Sicherheitsdenken bei den Eltern und bei den Medizinern.

Frage: Wobei das Risiko bei einem Kaiserschnitt für die Mutter doch höher ist als bei einer normalen Geburt, oder?

Dr. Christiane Kutter-Deest: Richtig. Ein Kaiserschnitt ist eben doch eine große Bauchoperation, bei der auch die Gefahr einer Verletzung anderer Organe oder einer Thrombose besteht. Die geöffneten Gewebeschichten müssen zudem wieder zugenäht werden. Das kann zu Verwachsungen und späteren Schmerzen führen.

Frage: Welche Gründe gibt es denn dann überhaupt für den sogenannten Wunsch-Kaiserschnitt?

Dr. Christiane Kutter-Deest: Natürlich gibt es Frauen, die Angst vor einer schmerzhaften Geburt haben. Außerdem sind operative Geburten exakt terminierbar. Das wird in unserer heutigen Gesellschaft durchaus gewünscht.

Frage: Viele Frauen haben ja auch Angst vor einer späteren Harninkontinenz. Schont der Kaiserschnitt denn wirklich den Beckenboden?

Dr. Christiane Kutter-Deest: Der Beckenboden wird natürlich auch in der Schwangerschaft belastet, die eigentliche Belastung für den Beckenboden ist aber eine sogenannte Spontangeburt. Aber auch nach Kaiserschnitten kann es zu Harninkontinenz oder Gebärmutter- oder Scheidensenkungen kommen.

Frage: Nicht selten werden bei Frauen, die schon einmal einen Kaiserschnitt hatten, auch die nachfolgenden Kinder per Sectio geholt. Gilt die alte Regel: einmal Kaiserschnitt - immer Kaiserschnitt - noch immer?

Dr. Christiane Kutter-Deest: Wenn eine Frau beispielsweise beim ersten Kind wegen Beckenendlage einen Kaiserschnitt hatte und das zweite Kind in Schädellage liegt, kann sie selbstverständlich eine Spontangeburt anstreben. Wie gesagt: Im Notfall ist ein Kaiserschnitt eine tolle Sache, aber jede Mutter sollte sich vor ihrer Entscheidung für einen Wunschkaiserschnitt gründlich über die Risiken informieren.

Quelle: Pressemeldung D A K - Unternehmen Leben

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