Friesische Vornamen: Namen aus Ost- und Nordfriesland

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Die friesische Sprache gehört zur Sprachfamilie des Indogermanischen und mag für unsere Ohren teilweise ein wenig seltsam klingen. Kinder, die original friesische Vornamen tragen, laufen mit Sicherheit nicht Gefahr, mit Namensdopplungen in der Schule kämpfen zu müssen – diese Namen sind inzwischen recht selten geworden und bescheren den meisten Kindern eine gewisse Einzigartigkeit.

Friesischer Vorname? – Zuordnung der Namen

Friesisch wird heute in erster Linie in den Niederlanden gesprochen, teilweise auch in Ostfriesland und im Norden Frieslands. Dabei kennt die friesische Sprache viele verschiedene Ausprägungen und Mundarten – auch als Dialekte bezeichnet. Die heutigen Namen, die als friesische Vornamen vergeben werden, stammen allgemein aus dem äußersten Norden Deutschlands, haben teilweise aber auch eine niederdeutsche Herkunft. Es gibt dabei einige typische friesische Vornamen wie Wiebke oder Tamme, einige davon sind mittlerweile bis in den Süden Deutschlands verbreitet. Als Beispiel gilt hier der Name Elke, der auf friesische Vornamen mit „Adel-“ zurückgeht. Auch Maren oder Meike sind hier gute Beispiele.

Generell lassen sich friesische Vornamen aber gut regional zuordnen. Wer diese Namen hört, weiß zumindest, dass sie aus dem hohen Norden stammen. Durch die Verbreitung in ganz Deutschland lässt sich die Herkunft des zugehörigen Kindes allerdings meist deutlich weniger leicht vornehmen.

Friesische Namen: Was zeichnet friesische Vornamen aus?

Friesische Vornamen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie nur aus einer oder zwei Silben bestehen, nur wenige Vornamen sind wirklich länger. Kurz und einprägsam kommen diese Namen daher, wohl auch ein Grund für ihre Beliebtheit. Teilweise lassen sich die Namen auch auf längere Vornamen zurückführen, die aus mehreren Silben bestehen. Die friesischen Vornamen sind somit häufig eine Kurzform und Ableitung längerer Namen. Im Norden von Deutschland fallen Kinder mit friesischen Vornamen kaum weiter auf, im Süden oder in andren Landesteilen hingegen sind viele dieser Namen immer noch eher die Ausnahme.
Viele der Namen sind sowohl für Mädchen als auch für Jungen verwendbar, wobei die Menschen, die nicht aus Friesland stammen, gern eindeutige Namen vergeben. So musste ein Gericht entscheiden, ob der Name „Eike“ männlich oder weiblich ist – hier wurde zugunsten der Herren entschieden und seither dürfen nur noch Jungen Eike heißen.

Viele friesische Vornamen klingen für ungeübte Ohren allerdings ein wenig gewöhnungsbedürftig – so, als wären wahllos Buchstaben aneinandergereiht worden oder als hätte sich jemand bei der Namensgebung verschluckt – und bei einem kleinen Hustenanfall ein paar Worte von sich gegeben. Das tut der Beliebtheit der Namen allerdings keinen Abbruch und die Friesen sind stolz auf die Namen, die in vielen anderen Landesteilen dafür sorgen, dass die Kinder zeitlebens eine Erklärung zu ihrem Namen abliefern müssen.

Friesische Namen als Modenamen?

Der ostfriesische Laienforscher Manno-Peters Tammena hat schon rund 42.000 Namen aus Friesland zusammengetragen, die er in Buchform und mit der Bedeutung versehen veröffentlichen möchte. Das kommt allen zugute, denn derzeit sieht es so aus, als würden friesische Vornamen wieder in Mode kommen. Immer mehr Kinder tragen nordische – und eben speziell friesische – Vornamen, wobei die Schiedsstellen für die Namensgebung teilweise über die Vergabe entscheiden müssen. Möchte jemand sein Kind „Sardine“ oder „Ikea“ nennen, ist das schon grenzwertig. Solche Vornamen werden im Interesse des Kindes und damit des zukünftigen Namensträgers meist abgelehnt.

Viele Eltern möchten ihrem Nachwuchs einen außergewöhnlichen Namen geben, das spricht für die Etablierung friesischer Vornamen. Dazu kommt, dass gerade alte Namen wieder groß in Mode sind – man denke hier an Ole oder Nils, die seit Jahrhunderten bekannt sind, in vielen Landesteilen aber über Jahrzehnte hinweg in Vergessenheit geraten sind. Heute vergeben wieder viele Eltern diese Vornamen an den männlichen Nachwuchs.

Namen wie „Meike“ sind schon seit vielen Jahren deutschlandweit verbreitet und gelten aber nicht als Modename. Solche Namen sind die etwas „sanftere“ Form der friesischen Vornamen, mit denen sich ein Kind auch in der Schule oder später als Erwachsener nicht erklären braucht. Diese Namen sind allgemein verständlich und es muss auch keine Schiedsstelle vor der endgültigen Vergabe des Namens hinzugezogen werden. Sollten sich solche friesischen Vornamen zu Modenamen entwickeln, so wird die Zuordnung der Herkunft des Namens mitunter schwierig, denn die Namen klingen so gar nicht wie die teilweise seltsam aneinandergereihten Buchstaben anderer friesischer Vornamen.

Friesische Vornamen: Problematische Vornamen?

Viele Namensträger haben allerdings das Problem, dass sie ihren Vornamen immer wieder erklären müssen. Wer den friesischen Vornamen hört, kann ihn vielleicht nicht richtig aussprechen oder gar schreiben – Brücken zum Buchstabieren sind hier gefragt. Andere Namen werden leicht mit einer zweifelhaften Bedeutung verbunden: Wer denkt bei „Ficke“ heute schon an den alten Namen Friedrich? Genau der steckt aber dahinter, mag einer glauben, was er will.

Andere Menschen fragen mehrmals nach, ob sie den Namen richtig verstanden haben. Oder ob derjenige, der sich vorstellt, doch nur ein Kürzel oder einen Spitznamen genannt hat? Der Name „Ebbe“ ist auch nicht unbedingt das, was sich die Allgemeinheit unter einem typischen Vornamen vorstellt und so kommt es immer wieder zu Nachfragen oder gar Missverständnissen, wenn sich ein Ebbe vorstellt.

Irgendwann arrangieren sich aber die meisten mit ihrem ungewöhnlichen Vornamen, auch wenn es mitunter Jahre dauert. Spätestens dann, wenn die einstigen Kinder erwachsen sind, können sie über ihren Namen lächeln und stehen selbstbewusst dazu. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg und Eltern sei zu bedenken gegeben, dass sich die Kinder auch in der Schule zurechtfinden müssen. Wer nicht möchte, dass das Kind gehänselt wird, sollte zumindest in einigen Fällen auf andere Vornamen ausweichen. Soll dennoch unbedingt ein außergewöhnlicher friesischer Vorname vergeben werden, bietet es sich an, diesen als Zweitnamen vorzusehen.
 

Einige Beispiele für Jungen- und Mädchennamen aus Friesland

 

Jungennamen

Vorname

Bedeutung

Aike Variante von Eike, Kurzform von Namen mit „-ecke“, auch als Mädchenname gebräuchlich
Harmen Form von Hermann, Ableitung von „Heer“ und „Mann“
Hein Kurzform von Heinrich, bedeutet so viel wie „der Herr im Haus“
Keke Form von Christian, bedeutet „Anhänger Christi“
Nickels Form von Nikolaus, aus dem Griechischen und bedeutet „Sieg“ (nik) und „Volksmenge“ (laos)

Tabelle: Die 5 beliebtesten (Jungen-)Vornamen aus Friesland
 

Mädchennamen

Vorname

Bedeutung

Famke Vom friesischen Wort für „kleines Mädchen“ abgeleitet
Heidje Kurzform von Adelheid, vom Althochdeutschen „edle Gestalt“
Ineke Variante von Inke, Ableitung von „Ingo“ (Name einer germanischen Gottheit)
Jorina Weibliche Form von Gregor, bedeutet „die Wachsame“
Nienke „die Reinheit“

Tabelle: Die 5 beliebtesten (Mädchen-)Vornamen aus Friesland
 


Bildnachweis: © unsplash.com – Joshua Hibbert

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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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