mammaNetz verringert Angst bei Brustkrebs-Patientinnen um über 60 Prozent

16.03.2006 | Augsburg
mammaNetz reduziert die Ängste von brustkrebskranken Frauen um zwei Drittel und verbessert ihren Informationsstand höchst signifikant. Zudem erleichtert es die Arbeit der Netzwerkpartner, insbesondere die der niedergelassenen Ärzte. Diese Untersuchungsergebnisse erbrachte das Studien- und Modellprojekt mammaNetz nach nur drei Jahren Laufzeit.

mammaNetz ist ein kombiniertes Modell- und Studienprojekt, das heißt: Das Modell mammaNetz wurde vom beta Institut entwickelt und in der Region Augsburg als bundesweit erste Begleit- und Orientierungsstelle für Frauen mit Brustkrebs aufgebaut. Die mammaNetz-Studie begleitete den Aufbau und erfasste erstdiagnostizierte Brustkrebspatientinnen. "Case Management in der sektorenübergreifenden Versorgung am Beispiel von Frauen mit Brustkrebs" lautet der offizielle Studientitel. Die Ergebnisse der Studie wurden am 8. März an einen Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz übergeben.

Erfolgreicher Aufbau des Modells mammaNetz

In der dreijährigen Modellphase seit Oktober 2002 gelang es, im Raum Augsburg eine funktionierende Begleit- und Orientierungsstelle für Brustkrebspatientinnen aufzubauen. Diese fängt die Patientinnen direkt nach der Diagnose auf: "Zu diesem Zeitpunkt haben die Frauen den höchsten Hilfebedarf", erklärt mammaNetz-Projektleiterin Andrea Thorenz. Wichtiges Kennzeichen von mammaNetz ist der ganzheitliche und sektorenübergreifende Ansatz: Die gesamte Lebenssituation der Frauen wird betrachtet und die Begleitung erfolgt über alle Behandlungsschritte hinweg. mammaNetz basiert auf der ganzheitlichen Case-Management-Methode: Case Manager fungieren als Ansprechpartner und Begleiter der betroffenen Frauen und leisten gleichzeitig Netzwerkarbeit, sie kümmern sich also um den Austausch und die Kooperation zwischen Kliniken, Ärzten, Selbsthilfegruppen und anderen relevanten Leistungserbringern. Allein im Augsburger Modellprojekt entstand innerhalb von drei Jahren ein Netzwerk mit über 200 Einrichtungen.

mammaNetz-Studie: Studiendesign und Ergebnisse

Die mammaNetz-Studie untersuchte die Machbarkeit der Case-Management-Versorgung sowie den Nutzen für die Patientinnen und die Leistungserbringer im Netzwerk. Sie wurde von Januar 2003 bis April 2005 im Raum Augsburg durchgeführt. Insgesamt wurden 213 Frauen mit erstdiagnostiziertem Brustkrebs dreimal befragt: bei der Aufnahme in die Klinik, vier Monate später und ein Jahr später. Die Interventionsgruppe (= Betreuung durch mammaNetz) umfasste 140 Patientinnen, die erste Intervention erfolgte bereits vor dem ersten Befragungszeitpunkt. Die Kontrollgruppe (= ohne mammaNetz-Betreuung) war aus ethischen Gründen zeitlich vorgeschaltet. Die Netzwerkpartner wurden zudem zweimal im Untersuchungszeitraum befragt. Hervorstechendstes Ergebnis der Studie ("höchst signifikant") ist die deutlich reduzierte Angst der Patientinnen. Zum Beispiel war die "starke" oder "sehr starke" Angst vor den körperlichen Auswirkungen der Erkrankung bei mammaNetz-betreuten Patientinnen zwischen erstem und zweitem Messpunkt um zwei Drittel zurückgegangen. Deutlich wird der mammaNetz-Nutzen zudem beim Informationsstand der Patientinnen: Betreute Patientinnen wiesen einen höchst signifikant höheren Informationsstand über die Krankheit, Therapien und Hilfsangebote auf als Betroffene der Kontrollgruppe. Sie waren psychisch stabiler, selbstsicherer und kooperativer.

Qualitative Nachweise zum Nutzen von Case Management

Als eine der ersten Studien in Deutschland wurde zudem der Nutzen von Case Management sowohl für Patienten als auch für die Netzwerkpartner erfasst. Insbesondere für den Studienteil "Netzwerkarbeit" wurde wissenschaftliche Pionierarbeit geleistet. Hier gelangen erste qualitative Nachweise.

Ärzte: Bessere Compliance erleichtert Arbeit

Das Plus an Wissen und Sicherheit bei den Patientinnen bestätigten auch die behandelnden Ärzte deutlich. Vor allem niedergelassene Ärzte gaben in der Befragung an, dass die Patientinnen besser informiert und sicherer im Umgang mit ihrer Krankheit seien sowie mehr Vertrauen zum Arzt hätten. "Die bessere Compliance der Patientin hat meine Arbeit erleichtert", dieser Aussage stimmten über 40 Prozent der Ärzte zu.

beta Institut und betapharm: innovative Partner

Modellprojekt und Studie wurden vom beta Institut für angewandtes Gesundheitsmanagement durchgeführt. Ermöglicht wurde mammaNetz durch die innovative Partnerschaft zwischen dem gemeinnützigen beta Institut und der betapharm Arzneimittel GmbH. betapharm unterstützte mammaNetz vor allem in der Entwicklungsphase, und zwar ideell und mit einer Anschubfinanzierung. Weiter finanziert wurde das Projekt durch das Bayerische Gesundheitsministerium mit 1,25 Millionen Euro aus der Gesundheitsinitiative "Bayern aktiv". Für betapharm ist das Ansporn und Bestätigung seines Engagements. "Die positiven mammaNetz-Ergebnisse bestätigen uns darin, die Versorgungsforschung und damit die ganzheitliche Patientenversorgung weiter zu fördern und voranzutreiben", so Dr. Wolfgang Niedermaier, Geschäftsführer von betapharm.

Zukunftsweisende Ergebnisse

Die Ergebnisse des Studien- und Modellprojekts weisen in die Zukunft - auf verschiedenen Ebenen: Nach dem Beweis der Machbarkeit steht jetzt eine weitere Studie unter Kostenaspekten an; dabei soll auch der Aspekt Lebensqualität fundiert untersucht werden. Das Modell mammaNetz wird auch auf andere Regionen übertragen: In Coburg, Nordhorn und Meppen haben Einrichtungen bereits mit der Arbeit begonnen, weitere Regionen bekunden Interesse. mammaNetz in Augsburg hat den Schritt vom Modellprojekt in die Regelversorgung im Wesentlichen bewältigt. Mit mehreren großen Krankenkassen besteht bereits ein Vertrag zur integrierten Versorgung.

Quelle: Pressemeldung betapharm Arzneimittel GmbH

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