Stammzellen spenden oder einlagern?

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Stammzellen sind regelmäßig in aller Munde – und das aus gutem Grunde. Die besonderen Zellen haben wundervolle Eigenschaften, die gerade in der Medizin auf vielerlei Weise eingesetzt werden können. Für Eltern stellt sich jedoch oft die Frage: Stammzellen spenden oder lieber einlagern?

Eltern haben die Wahl: Stammzellen spenden oder einlagern?

In Deutschland haben Eltern die Qual der Wahl – so besteht einerseits die Option, bei der Geburt des Nachwuchses das Blut aus der Nabelschnur zu entnehmen und dieses einzulagern. Wer bei einer privaten Nabelschnurblutbank Stammzellen privat einlagern möchte, hat den Vorteil, dass er diese später sich für nutzen kann. Dem gegenüber steht jedoch die zweite Möglichkeit: Auch hier wird bei der Geburt des Nachwuchses das Blut aus der Nabelschnur entnommen. Es erfolgt eine Spende an eine öffentliche Blutbank, auf die Ärzte in medizinischen Notfällen zugreifen können. Beide Alternativen haben ihre Vor- und Nachteile, daher ist es nicht einfach, sich für bzw. gegen einen Weg zu entscheiden. Doch was macht das Blut aus der Nabelschnur eigentlich so besonders? Einen ausführlichen Bericht rund um das Nabelschnurblut und Stammzellen finden Sie hier.

In aller Kürze kann so viel dazu gesagt werden: Das Blut aus der Nabelschnur spielt in der Forschung und in der Medizin eine essenzielle Rolle. Doch die Stammzellenforschung und die Gewinnung von Stammzellen wird hierzulande besonders kritisch überwacht. In der Vergangenheit wurden hitzige Diskussionen geführt. Unter ethischen Gesichtspunkten verweigern sich viele der Stammzellenforschung an Embryos, denn für die Gewinnung von embryonalen Stammzellen muss entstehendes, menschliches Leben bewusst zerstört werden.

Die Erleichterung war groß, als erkannt wurde, dass das Nabelschnurblut ebenfalls Stammzellen enthält und diese sich aufgrund ihrer Jugendlichkeit besonders gut für den medizinischen Einsatz eignen. Normalerweise wird das Nabelschnurblut mit der Nabelschnur und der Plazenta nach der Geburt im Klinikmüll entsorgt. Nun ist es zu Höherem bestimmt: Es kann Leben retten. Interessenverbände haben daher mit der Entnahme von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut keine Probleme.

 

Stammzellen sind regelmäßig in aller Munde – und das aus gutem Grunde. Die besonderen Zellen haben wundervolle Eigenschaften, die gerade in der Medizin auf vielerlei Weise eingesetzt werden können. (#01)

Stammzellen sind regelmäßig in aller Munde – und das aus gutem Grunde. Die besonderen Zellen haben wundervolle Eigenschaften, die gerade in der Medizin auf vielerlei Weise eingesetzt werden können. (#01)

Stammzellen und ihre besonderen Eigenschaften

Gerade in der regenerativen Medizin übernehmen Stammzellen eine wesentliche Rolle und gelten als Hoffnungsträger. Die besonderen Zellen, die gerade im embryonalen – das heißt im frühesten – Stadium extrem wandelbar sind, können vielfältig eingesetzt werden. Einerseits lassen sich diese embryonalen Zellen schnell und zuverlässig vermehren – und das dabei auch noch relativ erfolgreich. Zum anderen sind diese noch ganz jungen Zellen besonders unberührt und sozusagen „frisch“. Konkret heißt das, dass embryonale Stammzellen wenig bis gar keine Zellmutationen aufweisen und auch durch Umwelteinflüsse nicht beschädigt wurden. Die besonderen Zellen gelten in der Forschung als Ursprung jeder Körperzelle und können dementsprechend vielfältig eingesetzt werden.

Embryonale Stammzellen können aus diesem Grund für die Behandlung von jedem Organ und von jedem Gewebetyp genutzt werden. Bei dem Blut aus der Nabelschnur handelt es sich hingegen nicht um embryonale Stammzellen, sondern um adulte, also erwachsene Stammzellen. Werden die Stammzellen unmittelbar nach der Geburt gesichert, so weisen die adulten Stammzellen viele Eigenschaften auf, die embryonale ebenfalls haben. Die Stammzellen aus dem Blut der Nabelschnur teilen sich noch häufig – die sogenannte Teilungsfähigkeit ist gerade hinsichtlich der schnellen Vermehrung von Zellen wichtig. Ferner lassen sich diese Zellen ebenfalls zu verschiedenen Gewebetypen ausdifferenzieren – so beispielsweise zu Muskelzellen, Hautzellen und Blutzellen.

 

 Werden die Stammzellen unmittelbar nach der Geburt gesichert, so weisen die adulten Stammzellen viele Eigenschaften auf, die embryonale ebenfalls haben. Die Stammzellen aus dem Blut der Nabelschnur teilen sich noch häufig – die sogenannte Teilungsfähigkeit ist gerade hinsichtlich der schnellen Vermehrung von Zellen wichtig. (#02

Werden die Stammzellen unmittelbar nach der Geburt gesichert, so weisen die adulten Stammzellen viele Eigenschaften auf, die embryonale ebenfalls haben. Die Stammzellen aus dem Blut der Nabelschnur teilen sich noch häufig – die sogenannte Teilungsfähigkeit ist gerade hinsichtlich der schnellen Vermehrung von Zellen wichtig. (#02

Was geschieht mit den Stammzellen?

In Deutschland ist – wie oben bereits beschrieben – die therapeutische Nutzung von embryonalen Stammzellen nicht zugelassen. Das hat verschiedene Gründe, die im nachfolgenden nicht gewertet werden sollen. Vielmehr ist es interessant, die Einsatzmöglichkeiten von Stammzellen aus der Nabelschnur zu untersuchen. Diese sind, wie ebenfalls beschrieben, besonders wandlungsfähig und ähneln den embryonalen Stammzellen am meisten, auch wenn es sich dabei schon um adulte Stammzellen handelt. Genau diese Wandlungsfähigkeit wird in der Medizin genutzt, um einige Krankheiten bzw. Erkrankungen zu behandeln. Weisen Zellen, ein Teil des Gewebes im Körper oder ein Organ Funktionsstörungen auf, so können Stammzellen dank ihrer Regenerationsfähigkeiten eingesetzt werden, um diese Störungen zu ersetzen bzw. deren Behebung anzuregen.

Gerade bei der Therapie von Krebs, einer Krankheit, die maßgeblich mit mutierten Zellen zu tun hat, haben sich Stammzellen als besonders wertvoll erwiesen. So können Stammzellen aus dem Blut der Nabelschnur besonders gut bei Leukämie, also Blutkrebs oder bei Lymphdrüsenkrebs eingesetzt werden. Gerade in der Kinderkrebsforschung hat sich in dieser Richtung viel getan. Nachweislich können Stammzellen bei kindlichen Hirntraumata zur Regeneration des kindlichen Gehirns beitragen. In Zukunft wird die Therapie mit Stammzellen weitere Vorteile bereithalten. Es wird angenommen, dass Stammzellen auch bei Herzkrankheiten und Diabetes Typ 1 zum Einsatz kommen können. Auch für die Therapie von Parkinson werden Stammzellen aktuell näher untersucht. Die kleinen Alleskönner, die aus dem Blut der Nabelschnur kommen, sind also vielfältig medizinisch einsetzbar.

 

Erst wenn die Nabelschnur durchtrennt ist – und das darf der Vater im traditionellen Sinne gerne tun – wird das Blut entnommen. (#03)

Erst wenn die Nabelschnur durchtrennt ist – und das darf der Vater im traditionellen Sinne gerne tun – wird das Blut entnommen. (#03)

Wie werden Stammzellen aus der Nabelschnur entnommen?

Ein Bericht aus der Brigitte zum Thema Stammzellen zitiert die Zahlen der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), nach denen etwa 97 Prozent des Nabelschnurblutes in Deutschland weggeworfen werden. Das ist gerade bei den lebensrettenden Eigenschaften der Stammzellen aus dem Nabelschnurblut wirklich schade und nahezu eine Verschwendung. Dass so viel wertvolles Blut aus der Nabelschnur und mit ihm die Stammzellen nicht genutzt werden, liegt daran, dass viele Eltern gar nicht wissen, dass es entnommen und aufbewahrt werden kann. Viele werdende Muttis und Vatis sind ebenfalls verunsichert, wie das Ganze ablaufen soll.

Die gute Nachricht lautet: Die Entnahme des Blutes aus der Nabelschnur ist weder für die Eltern noch für das Kind zu spüren. So wird bei der Blutentnahme in keinem Fall in die Geburt oder in das Kuscheln mit dem Nachwuchs nach der Geburt eingegriffen. Erst wenn die Nabelschnur durchtrennt ist – und das darf der Vater im traditionellen Sinne gerne tun – wird das Blut entnommen. Die Nabelschnurblutspende erfolgt dann durch den Arzt bzw. das Personal in der Klinik. Eltern, die von der Geburt des kleinen Sonnenscheins hingerissen sind, bekommen von der Blutentnahme in der Regel gar nichts mit. Schwangere können sich auch noch kurz vor der Geburt dafür entscheiden, das Nabelschnurblut entnehmen zu lassen – der traurige Fakt ist jedoch, dass viele Eltern bzw. werdende Muttis von dieser Option gar nichts wissen.

Video:DKMS – Stammzellenspende – Phillip rettet ein Leben!

Wer darf spenden bzw. welche Stammzellen können eingelagert werden?

Wie bei der normalen Blutspende auch ist es besonders wichtig, dass der Spendende gesund ist. Im Falle der Nabelschnurblutspende gehören da natürlich zwei dazu: Die Mutter und der Nachwuchs. Wenn beide gesund und munter sind, steht einer Einlagerung bzw. einer Spende der Stammzellen aus der Nabelschnur nichts im Wege. Im Gegenteil: Die Stammzellen aus der Nabelschnur sind besonders gut geeignet für die therapeutischen Maßnahmen, sowohl beim eigenen Kind als auch bei einem Fremden.

Wer also vor der Geburt eines Kindes steht, sollte nicht zögern und das Blut aus der Nabelschnur entnehmen lassen – entweder für die eigenen Zwecke zum Einlagern oder zum Spenden. Für beide Möglichkeiten gibt es wesentliche Vor- und Nachteile.

Welche Vorteile hat die private Einlagerung von Stammzellen?

Nach der Blutentnahme aus der Nabelschnur steht Eltern zum einen die Möglichkeit zur privaten Einlagerung von Stammzellen zur Verfügung. Das hat einen wesentlichen Vorteil: Erkrankt der Nachwuchs an beispielsweise an Krebs oder erleidet das Kind ein Hirntrauma, können die eigenen Stammzellen zur Therapie eingesetzt werden. Nabelschnurblutstammzellen haben den großen Vorteil, dass sie im Kälteschlaf nicht gealtert sind. Viele Eltern sehen das Einlagern von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut als eine Art Lebensversicherung, die bei schrecklichen Umständen greifen kann und medizinische Hoffnung birgt. Auch bei großflächigen Gewebeverlusten, was häufig bei Verbrennungen der Fall ist, können Stammzellen aus der Nabelschnur wahre medizinische Wunder vollbringen. Wenn es sich um die eigenen Stammzellen handelt, sind die Behandlungserfolge ebenfalls viel erfolgsversprechender.

Das heißt konkret: Da bei autologen Transplantationen Spender und Empfänger ein und dieselbe Person sind, muss mit keinen Abstoßungsreaktionen gerechnet werden, weil die Gewebemerkmale zu 100 Prozent identisch sind. Gerade Patienten, die allogene Stammzellen von Fremden erhalten, müssen Medikamente einnehmen, um die Abstoßung der fremden Zellen durch den eigenen Körper zu unterdrücken (sogenannte Immunsuppressiva). Privat eingelagerte Stammzellen stehen darüberhinaus schnell und unkompliziert zur Verfügung. Sie können aufgetaut und direkt eingesetzt werden. Die private Einlagerung kann als eine Investition in die Gesundheit des Kindes gesehen werden. Sobald der Nachwuchs das 18. Lebensjahr vollendet hat, entscheidet er selbst entscheiden, was mit den Stammzellen weiter geschieht.

 

Auch das Spenden von Stammzellen aus der Nabelschnur hat einen wesentlichen Vorteil. Es ist so möglich, durch die Geburt eines Kindes auch das Leben einer anderen Person zu retten. Gerade bei bestimmten Krebsarten, wie Lymphdrüsenkrebs oder Blutkrebs, können Stammzellen eine erfolgsversprechende Therapie und eine langfristige Heilung ermöglichen. (#04)

Auch das Spenden von Stammzellen aus der Nabelschnur hat einen wesentlichen Vorteil. Es ist so möglich, durch die Geburt eines Kindes auch das Leben einer anderen Person zu retten. Gerade bei bestimmten Krebsarten, wie Lymphdrüsenkrebs oder Blutkrebs, können Stammzellen eine erfolgsversprechende Therapie und eine langfristige Heilung ermöglichen. (#04)

Welche Vorteile hat das Spenden von Stammzellen?

Auch das Spenden von Stammzellen aus der Nabelschnur hat einen wesentlichen Vorteil. Es ist so möglich, durch die Geburt eines Kindes auch das Leben einer anderen Person zu retten. Gerade bei bestimmten Krebsarten, wie Lymphdrüsenkrebs oder Blutkrebs, können Stammzellen eine erfolgsversprechende Therapie und eine langfristige Heilung ermöglichen. Werden die Stammzellen zur Spende freigegeben, werden sie nach der Entnahme sehr genau untersucht. Sind die Zellen gesund und in ausreichender Menge vorhanden, erfolgt eine Kryokonservierung. Durch das Einfrieren über flüssigem Stickstoff können die Stammzellen für Jahrzehnte aufbewahrt werden. Die Gewebemerkmale werden in der Spenderdatei der DKMS archiviert und können dort wiedergefunden werden

Die Zahlen sprechen für sich: Seit dem Jahr 2008 konnten knapp 80 Personen von einer Spende aus der Nabelschnurblutbank der DKMS profitieren. Das sind fast 80 gerettete Leben, dennoch könnte die Zahl auch deutlich höher sein. Das Problem liegt tatsächlich in der Unwissenheit vieler Eltern, die das wertvolle Blut aus der Nabelschnur weder privat einlagern noch spenden. Auf diese Weise gehen die Alleskönner aus dem Blut der Nabelschnur verloren und können weder für die eigenen Zwecke noch für die Rettung von anderen genutzt werden. Dies ist in jedem Fall eine unschöne Tatsache, der durch mehr Aufklärung effektiv entgegengewirkt werden kann.

Video:Vita 34 Trickfilm „Stammzellen aus dem Nabelschnurblut“

Auf die individuelle Präferenz kommt es an

Die Frage, ob die Stammzellen aus der Nabelschnur eingelagert werden sollten und bei privaten Zwecken genutzt werden können oder ob sie gespendet werden sollten, kann nicht ohne Weiteres beantwortet werden. Wie bereits oben dargestellt, ist es sicherlich sinnvoll, sich für eine der beiden Varianten zu entscheiden, denn nur so kann gewährleistet werden, dass das wertvolle Blut mit den Stammzellen nicht verloren geht.

Ebenfalls sollten Eltern auch bedenken, dass die private Einlagerung mit vielen Vorteilen verbunden ist, jedoch auch einen finanziellen Mehraufwand bedeutet, denn hier tragen die Eltern alle Kosten für die Einlagerung selbst. Fakt ist: Bevor das Blut aus der Nabelschnur ungenutzt weggeworfen wird, sollten die beiden Möglichkeiten der privaten Einlagerung und der Spende in Erwägung gezogen werden. Die Entscheidung darüber bleibt in jedem Fall den Eltern selbst überlassen.


BIldnachweis:©Shutterstock-Titelbild: stefanolunardi  -#01:CI Photos-#02: panyawat bootanom -#03:Darren Brode -#04: wavebreakmedia

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Über Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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