Welche Versicherungen brauche ich als Mutter?

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2009 lebten – laut Statistischem Bundesamt – in Deutschland in mehr als 8 Millionen Haushalten Kinder unter 18 Jahre. Knapp ein Fünftel der Haushalte war alleinerziehend. Die Familie mit Mutter und Vater ist zwar als klassisches Modell in den Köpfen nach wie vor verankert. Leider sieht die Realität inzwischen anders aus. Auch wenn entsprechend der Statistiken die Familie vorherrscht, ist das Thema der Kinderbetreuung durch nur ein Elternteil längst kein Tabu mehr. Und nicht immer muss es eine Trennung oder Scheidung der Eltern sein. Krankheiten oder Unfälle führen dazu, dass ein Elternteil plötzlich die ganze Verantwortung für den Haushalt auf den Schultern trägt.

Wie damit umgehen? Alleinerziehende stehen vor riesigen Herausforderungen – und müssen den Alltag allein organisieren. Oft fällt dies der Mutter zu. Hintergrund: Entsprechend einer Mitteilung des Bayerischen Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung waren 90 Prozent der Alleinerziehenden im Freistaat im Jahr 2012 weiblich – sprich Mutter. Diese muss sich nicht nur um die Haushaltsführung kümmern. Auch Aspekte wie das richtige Versicherungsportfolio rücken in den Mittelpunkt. Die Herausforderung: Unter- und Überversicherung sind – bei oft begrenzten Mitteln – in jedem Fall zu vermeiden.

Das Thema Versicherungen steht bei einer Schwangerschaft sicherlich nicht ganz oben auf der Liste der Prioritäten. Trotzdem sollten sich werdende Mütter Gedanken darum machen. (#01)

Das Thema Versicherungen steht bei einer Schwangerschaft sicherlich nicht ganz oben auf der Liste der Prioritäten. Trotzdem sollten sich werdende Mütter Gedanken darum machen. (#01)

Krankenversicherung für Mutter und Kind

Zu den wichtigen Absicherungsinstrumenten überhaupt gehört ganz klar die Krankenversicherung. Deren Abschluss ist inzwischen obligatorisch, da seit 2009 bundesweit eine Versicherungspflicht nach § 193 VVG (Versicherungsvertragsgesetz) existiert.
Insofern müssen sich auch Alleinerziehende für die GKV oder die PKV entscheiden. Aber: Welches System für die Absicherung gegen Krankheitskosten in Frage kommt, entscheiden nicht die Versicherten.

Der Grund liegt in der Versicherungspflicht für:

  • Beschäftigte
  • Bezieher von ALG
  • Studenten usw.

Die in § 5 SGB V genannten Personenkreisen müssen in die gesetzliche Krankenversicherung eintreten. Hier werden im Allgemeinen alle medizinisch notwendigen und zweckmäßigen Behandlungen abgedeckt. Gegenüber der privaten Krankenversicherung hat die GKV einen weiteren Vorteil: die beitragsfreie Familienversicherung.
Alleinerziehende können so den Nachwuchs absichern – ohne die Haushaltskasse zu belasten. In der PKV existiert leider kein entsprechendes Pendant. Sofern Mütter aufgrund eines sehr hohen Erwerbseinkommens (Stand 2017: 57.600 Euro) aus einer Beschäftigung oder aus anderem Grund versicherungsfrei und privat versichert sind, muss ein separater Vertrag für Kinder abgeschlossen werden.

Vorteile Nachteile
GKV – umfassende Grundversorgung
– Familienversicherung
– Sachleistungsprinzip
– Beitrag gesetzlich vorgegeben
– Zuzahlung
– Mehrleistung kostenpflichtig
– Leistung zentral festgelegt
– keine Leistungsgarantie
– Beitrag einkommensabhängig
PKV – hoher Behandlungsstandard
– Komfortbehandlung
– kurze Wartezeiten
– Beitrag flexibel gestaltbar
– Leistungen garantiert
– Kostenerstattungsprinzip
– keine Familienversicherung
– Beitragssteigerung
– Gesundheitsprüfung

Vor- und Nachteile der beiden Versicherungsoptionen im Bereich der Krankenversicherung

Lebensversicherung & Co.: Finanzielle Sicherheit schaffen

Die Krankenversicherung ist nicht der einzige Punkt, an den alleinerziehende Mütter denken müssen. Was passiert, wenn der Beruf aufgrund von Krankheit nicht mehr ausgeübt werden kann? Wer sorgt für den Nachwuchs, wenn Alleinerziehende plötzlich versterben?

Grundsätzlich stehen hier zwei wichtige Versicherungen im Raum – und zwar:

  • BU-/Erwerbsunfähigkeitspolicen
  • Risiko-Lebensversicherungen.

Letztere leisten die vereinbarte Versicherungssumme im Todesfall. Damit können Versicherungsnehmer die Folgen eines Todesfalls zumindest finanziell auffangen und ihren Lebensstandard entsprechend halten. Pauschale Aussagen zur Höhe der Versicherungsleistung sind schwierig. Bekannte Faustregeln sprechen von Beträgen zwischen dem 3- bis 5-fachen Bruttojahreseinkommen. Achtung: Für eine Absicherung sollte auf Kapital-Lebensversicherungen verzichtet werden. Die Risikolebensversicherung ist deutlich günstiger und ist für die Todesfallabsicherung vollkommen ausreichend.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung deckt das Risiko ab, den Beruf nicht mehr ausüben zu können. Bezüglich der Höhe der Versicherungssumme geht es um eine Balance aus aktuellem Einkommen und den benötigten Einkünften. Wichtig sollte bei der Auswahl sein, dass die Verweisungsrechte der Versicherer nicht zu weit reichen und die Antragsunterlagen transparent sind. Glücklicherweise gibt es immer weniger Verträge mit einer abstrakten Verweisung.

Leider zeigt die Praxis, dass gerade beim Thema Berufsunfähigkeitsversicherung viele Versicherte nicht wissen, was sie eigentlich genau unterschrieben haben. Gerade die Informationspflichten brechen Betroffenen „das Genick“. Aus diesem Grund sollten sich Mütter vor einem Abschluss genau informieren, um letztlich auch etwas von dem Versicherungsschutz zu haben und nicht zu viel dafür zu bezahlen.

Haftpflichtversicherung: Oftmals sind Kinder automatisch in der Haftpflicht der Eltern mitversichert. Trotzdem sollten Eltern dies checken, um am Ende keine bösen Überraschungen zu erleben. Ferner ist der Leistungsbaustein „Haftung für deliktunfähige Kinder“ recht hilfreich, um auch die Schäden der nicht haftenden Kleinkinder abzudecken.

Haftpflichtversicherung: Oftmals sind Kinder automatisch in der Haftpflicht der Eltern mitversichert. Trotzdem sollten Eltern dies checken, um am Ende keine bösen Überraschungen zu erleben. Ferner ist der Leistungsbaustein „Haftung für deliktunfähige Kinder“ recht hilfreich, um auch die Schäden der nicht haftenden Kleinkinder abzudecken.(#03)

Sachversicherungen im Haushalt

Beim Thema Sachversicherung sollte zuerst an die Bereiche mit den größten finanziellen Risiken gedacht werden. Und dabei geht es überraschenderweise nicht um den Hausrat, sondern die Haftung im Alltag. Nach § 823 BGB sind Schädiger dem Geschädigten gegenüber schadenersatzpflichtig.

Dies kann in schweren Fällen durchaus zehn- oder hunderttausende Euro kosten. Die Haftpflicht schützt aber nicht nur den Versicherten, sondern auch Familienangehörige – wie die Kinder. Wichtig ist an diesem Punkt, dass die Frage der Deliktunfähigkeit und die sich ergebenden Konsequenzen beachtet werden.

Im zweiten Schritt kann es um Aspekte wie die Hausratversicherung gehen, welche finanzielle Schäden – durch Unwetter, Sturm oder Feuer – durchaus abwenden kann.

Die wichtigsten Sachversicherungen für Familien mit Kindern im Überblick:

  • Haftpflichtversicherung: Oftmals sind Kinder automatisch in der Haftpflicht der Eltern mitversichert. Trotzdem sollten Eltern dies checken, um am Ende keine bösen Überraschungen zu erleben. Ferner ist der Leistungsbaustein „Haftung für deliktunfähige Kinder“ recht hilfreich, um auch die Schäden der nicht haftenden Kleinkinder abzudecken. Solche Fälle können nämlich mitunter Freundschaften oder Bekanntschaften sehr belasten.
  • Hausratversicherung: Die Hausratversicherung ist neben der Haftpflichtversicherung für nahezu jeden Haushalt zu empfehlen. Hier sollte auf den Unterversicherungsschutz geachtet werden. Entsprechende Tarife enthalten eine fixe Versicherungssumme pro Quadratmeter Wohnraum, schließen dabei die Unterdeckung jedoch aus.
  • Rechtschutzversicherung: Rechtstreitigkeiten kommen wegen Kindern eher selten auf. Trotzdem kann eine Rechtsschutzversicherung durchaus als interessant gewertet werden, um sich vor rechtlichen Streitigkeiten zu schützen.

Was gibt es noch zu wissen

Haushalte können sich gegen alles Erdenkliche versichern. Zu überdenken ist in jedem Fall die Frage, was Unfälle oder schwere Krankheiten der Kinder für Folgen haben können. Leider greifen Tarife aus dem BU-Segment hier noch nicht. Und auch Erwerbsunfähigkeitspolicen sind nur bedingt geeignet.

Um zumindest das Risiko eines Unfallschadens aufzufangen, können Alleinerziehende über die Kinder-Unfallversicherung nachdenken. Hier ist darauf zu achten, dass für die Altersgruppe typische Risiken – wie Vergiftungen – nicht aus dem Versicherungsschutz ausgenommen sind.
Ebenfalls im Auge zu behalten ist – und diese Situation dürfte in Haushalten mit Kindern nicht abwegig sein – die Haltung von Haustieren. Letztere fallen allgemein nicht in den Geltungsbereich der privaten Haftpflichttarife, sondern müssen (zumindest ab einer gewissen Größe) separat versichert werden. Hierzu zählen vor allem Hunde, die zudem unter Umständen eine eigene Krankenversicherung benötigen. Ähnlich sieht es aus, wenn die eigenen Kinder irgendwann ein eigenes Pferd haben möchten und bekommen.

Mit dem richtigen Versicherungsmix können Eltern dafür sorgen, dass die Kleinen bestmöglich abgesichert sind. Dies sorgt auch bei Eltern für Sicherheit. (#02)

Mit dem richtigen Versicherungsmix können Eltern dafür sorgen, dass die Kleinen bestmöglich abgesichert sind. Dies sorgt auch bei Eltern für Sicherheit. (#02)

Fazit: An diese Versicherungen als Alleinerziehende denken

In Deutschland existieren immer mehr alleinerziehende Haushalte. Die Tatsache, dass nur ein Elternteil die Betreuung von Kindern übernimmt, bleibt nicht folgenlos. Statistiken und Studien zeigen immer wieder, dass dieser Personenkreis auch vor finanziellen Herausforderungen steht. Trotzdem dürfen alleinerziehende Frauen – die überwiegend betroffen sind – vergessen an den Versicherungsschutz zu denken. Hier geht es nicht nur um Aspekte wie die Krankenversicherung, die in Deutschland inzwischen sogar zwingend vorgeschrieben ist. Sich richtig als Haushalt mit Kindern zu versichern heißt am Ende auch, an den Versicherungsschutz für den Nachwuchs zu denken. Ein Aspekt, welcher neben der Privathaftpflicht auch den Kinder-Unfallschutz oder die finanzielle Absicherung einschließt.


BIldnachweis:©Shutterstock-Titelbild: cherylholt  #01: pixabay.com-stevepb-#02: cherylholt-#03: Shutterstock-kellis

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Über Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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