Welche Apps sind sinnvoll für Eltern?

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Der Alltag kann für Eltern aufregend sein, daher ist es wichtig, diesen gut zu organisieren. Dabei helfen Eltern Apps: Smartphone Kontrollen, Einschlafhilfen oder Organizer. Wir stellen die sinnvollsten Apps vor.

Chancen und Risiken einer Eltern App für Kinder

Es gibt Eltern Apps, die Alarm schlagen, wenn sich Kinder in Gegenden aufhalten, die von den Eltern nicht freigegeben wurden. Aber auch dann, wenn sie nicht zur vorgegebenen Zeit an einem bestimmten Ort ankommen. Mit solchen Apps überwachen Eltern ihre Kinder mithilfe von Smartphones und limitieren deren Selbstständigkeit. Solche Apps werden immer beliebter und die Downloadzahlen steigen kontinuierlich.

Bereits ein Viertel aller Kinder in Deutschland in der Altersgruppe von 8 bis 9 Jahre besitzen ein Smartphone. Bei den zehn- bis elfjährigen sind es 57 % und bei den zwölf- bis 13-jährigen sogar 85 %, die ein Smartphone besitzen. Es sind die Kinder selbst, die sich ein Handy wünschen und Eltern stellen nicht nur Regeln für die Smartphone Nutzung auf, sondern sind manchmal dazu gezwungen, mit Apps den Erwerb von kostenpflichtigen Abos oder online Einkäufe zu verhindern.

Überwachung Apps sind nicht immer sinnvoll

Für die Eltern gibt es mittlerweile Apps, die die Freundschaften auf Facebook oder Twitter durchsuchen, aus der Ferne das Handy sperren oder verfolgen, wo sich ihre Kinder gerade befinden. Doch die Deutsche Kinderhilfe sieht solche Apps sehr kritisch. Denn das, was wir Erwachsene nicht wollen, dass es mit uns gemacht wird, das sollten wir auch nicht mit unseren eigenen Kindern machen.

Trackingfunktionen sind bei bestimmten Menschen sehr sinnvoll, zum Beispiel bei Demenzkranken. Aber bei Kindern schützt eine Tracking Apps zum Beispiel nicht vor sexuellen Angriffen, da die Täter in der Regel aus dem eigenen Umfeld kommen. Stattdessen gefährden solche Apps nach Ansicht der Experten die Entwicklung und den Persönlichkeitsschutz der Kinder. Schließlich denkt ein Kind, das es laufend von den Eltern überwacht wird, dass man ihm nichts zutraut und ihm nicht vertraut. Dadurch ist es nicht in der Lage Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu bilden.

Natürlich sehen die Entwickler solche Applikationen ihre Produkte nicht kritisch – einige Eltern hingegen schon. Denn das Nutzen solch einer App ist auch ein Beweis dafür, dass die Eltern kein Vertrauen in ihre Söhne und Töchter haben. Kinder müssen einfach einmal auch Grenzen überschreiten. Besonders der Markt für Tracking Apps ist vielfältig und wenn sich ein Kind aus einem zuvor erfassten Bewegung Radius entfernt, erhalten die Eltern eine Meldung. Nach Angaben der Entwickler nutzen Eltern solche Apps, um ihren Nachwuchs zu beschützen und um ihm mehr Freiheiten einräumen zu können, aber nicht um zu spionieren.

 

Für die Eltern gibt es mittlerweile Apps, die die Freundschaften auf Facebook oder Twitter durchsuchen, aus der Ferne das Handy sperren oder verfolgen, wo sich ihre Kinder gerade befinden. (#01)

Für die Eltern gibt es mittlerweile Apps, die die Freundschaften auf Facebook oder Twitter durchsuchen, aus der Ferne das Handy sperren oder verfolgen, wo sich ihre Kinder gerade befinden. (#01)

Der Datenschutz und Eltern Apps

Dennoch sehen auch Datenschützer die Entwicklung der Apps auf dem Markt kritisch. Damit würde eine Überwachungsstruktur geschaffen und die Möglichkeiten zum Missbrauch steigen. Denn schließlich gibt es in diesem Bereich keine einhundertprozentige Datensicherheit und auch unbefugte Dritte könnten an Standortinformationen gelangen. Das Post-, Brief- und Fernmeldegeheimnis trifft auch auf Kinder zu.

Daher sehen nicht nur Datenschützer, sondern auch Experten in der Kinderhilfe solche Apps mit anderen Augen – sie sehen in dem stetig wachsenden Markt ein Geschäft, welches das schlechte Gewissen der Eltern schamlos ausnutzt. Denn Eltern, die ihren Nachwuchs auf den Wegen begleiten, müssen auch ihre Kinder nicht kontrollieren. Zu der Erziehung gehört es auch, seinen Kindern beizubringen, sich an Regeln zu halten und es bringt nichts, ein Versagen der Eltern in der Erziehung mit solch einer Technik zu kompensieren.

Auch Bürgerrechtler warnen schon länger, dass Eltern Apps mit Überwachungsmöglichkeiten das Leben nicht nur einfacher , sondern es gleichzeitig auch leichter kontrollierbar machen. Mit diesem Angebot wird die kindliche Privatsphäre verletzt und nicht selten fehlt später bei solch überwachten Kindern laut Psychologen die Fähigkeit, mit Gleichaltrigen zu streiten, ohne dass dies in einem Kampf ausartet. Es gibt allerdings auch andere Meinungen und einige Experten befürworten Apps, die die Kommunikationsmöglichkeiten einschränken bzw. den Standort ermitteln. Allerdings auch nur dann, wenn dies absolut notwendig ist und auch dann in absoluten Notfällen.

Eltern seien in der Verpflichtung, sich zu beherrschen und solche Apps nur bei wirklich berechtigten Zweifeln zu gebrauchen. Ein Praxistest in einer achten Klasse zeigt, wie wenig sich Eltern allerdings tatsächlich beherrschen können. Am Anfang einer Unterrichtsstunde wurden alle Schüler aufgefordert, ihre Smartphones abzugeben und am Ende mussten die Kinder zählen, wie viele Nachrichten in der Zwischenzeit eingegangen waren. Die 400 eingegangenen Meldungen stammten von zwei Personengruppen: von den Eltern und Mitschülern der Schule.

 

Wer als Eltern auf dem Smartphone seiner Kinder ein Tracking Tool installiert, der bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. Denn die Gesetzesvorgabe lautet, dass Kinder einwilligungsfähig sein müssen und es gibt keinerlei genaue Altersfestsetzungen für diese Grenze. (#02)

Wer als Eltern auf dem Smartphone seiner Kinder ein Tracking Tool installiert, der bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. Denn die Gesetzesvorgabe lautet, dass Kinder einwilligungsfähig sein müssen und es gibt keinerlei genaue Altersfestsetzungen für diese Grenze. (#02)

Tracking Tools und das Gesetz

Wer als Eltern auf dem Smartphone seiner Kinder ein Tracking Tool installiert, der bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. Denn die Gesetzesvorgabe lautet, dass Kinder einwilligungsfähig sein müssen und es gibt keinerlei genaue Altersfestsetzungen für diese Grenze. Laut Bundesgerichtshof muss zudem das Kind über eine ausreichende Urteilsfähigkeit verfügen. Einfach erklärt bedeutet dies, dass ein Kind, welches in der Lage ist, ein Smartphone betreiben, auch der Kontrolle durch eine App zustimmen muss.

Die Faustregel lautet, dass je jünger der Nachwuchs ist, desto mehr Rechte die Eltern haben, den Gebrauch des Smartphones von Bedingungen abhängig zu machen. Die Kontrollen müssen aber weniger werden, je älter die Kinder sind. Schließlich hat auch ein Kinder Anspruch auf Privatsphäre und auf einen freien Gebrauch von Medien. Sollte dies rigoros untersagt werden, so wird laut den Psychologen ein sogenanntes Ausweichverhalten provoziert und die Kinder nutzen dann die Smartphones ihrer Freunde oder finden Wege, um sich der Überwachung der Eltern zu entziehen. Das bedeutet aber gleichzeitig nicht, dass Kindern ein unbegrenzter Nutzungszugang gegeben werden muss.

Experten stehen Tools, die nur schützen, deutlich positiver als Tracking Apps gegenüber. So gibt es zum Beispiel eine Applikation mit der Bezeichnung „Ignore No More“, die die Smartphones von Kindern blockiert, wenn diese nicht auf SMS Nachrichten oder Anrufe der Eltern reagieren. Aus der Ferne können damit Eltern das Smartphone deaktivieren und den Kindern ist es dann nur noch möglich, ganz bestimmte Telefonnummern, die zuvor gespeichert wurden, anzurufen. Erfolgt dann der Rückruf, dann wird ein Passwort übermittelt, mit dem sie das Handy wieder entsperren können.

Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert auch die App Mobiflock, die aus der Ferne ein Deaktivieren des Smartphones erlaubt oder aber bestimmte Apps blockiert. Experten stufen solche Apps als empfehlenswert ein, da es nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Jugendlichen Momente gibt, in denen die Eltern eine Kommunikation erzwingen müssen, zum Beispiel dann, wenn sie ganz dringend mit ihren Kindern reden müssen.

Video:wie kann ich das handy meines kindes orten? Wie kann ich mein Kind kontrollieren?

Was sind die beliebtesten Eltern Apps?

Unabhängig von den Tracking Apps gibt es allerdings auch etliche sehr sinnvolle Apps, die Eltern den Alltag erleichtern. Die beliebtesten schildern wir nachfolgend.

Babyplaces: kinderfreundliche Orte aufstöbern

Die App Babyplaces ist besonders dann sinnvoll, wenn sich Eltern in einer fremden Stadt bewegen und nicht wissen, wo zum Beispiel der nächste Spielplatz oder Wickelort ist. Aber auch für junge Eltern, die neugierig sind und gerne zusammen mit ihren Kindern neue Orte entdecken. Kinderfreundliche Orte in der Nähe werden so mit einem Klick gefunden und es ist jedenfalls möglich, die Lieblings Orte zu speichern, zu bewerten und mit anderen Eltern zu teilen. Die App ist kostenlos und sie gibt es für Android und iOS.

Evernote: Organizer für Eltern

Insbesondere in größeren Familien geht nichts mehr ohne Terminplan. Evernote organisiert Termine, Infos und Notizen auf dem Smartphone. In einem Chat können diese Termine mit der gesamten Familie abgestimmt werden, wodurch die Organisation von gemeinsamen Terminen einfach möglich ist. Evernote ist eine kostenlose App und sie gibt es für Android- und iOS-Smartphones.

Medikid: Impferinnerungen und mehr

Die App Medikid erinnert an Arztbesuche und Impfungen. Außerdem enthält sie einen kleinen Ratgeber mit Empfehlungen für Hausmittel, gibt Ratschläge bei Notfällen und noch vieles mehr. Sie ersetzt den Arztbesuch, gibt aber viele Tipps, die sehr hilfreich sind. Die App kostet für Android Nutzer 2,69 € und iOS Nutzer zahlen 2,99 €.

Video:Handyortung App – Webseiten Teaser (deutsch)

Babyphone: macht aus dem Smartphone ein Babyphone

Wer noch kleine Kinder hat, der weiß, wie schwierig es ist, bei sich zu Hause oder bei Freunden zu Besuch  in deren Wohnung  einen entspannten Abend zu verbringen. Denn ein Elternteil ist gezwungen, laufend nachschauen, ob mit dem Baby im Kinderzimmer oder in der fremden Umgebung alles in Ordnung ist.

Die Lösung bringt die App Babyphone, die aus einem gewöhnlichen Smartphone eine Babyüberwachung macht. Das Handy wird einfach in dem Raum platziert, in dem das Kind zum Schlafen liegt. Wird das Baby wach, dann wird automatisch eine festgelegte Telefonnummer angerufen. Ein weiteres Feature: mit der App können auch Gute-Nacht-Lieder und Gute-Nacht-Geschichten aufgezeichnet und abgespielt werden. Dies ist besonders toll für Kinder, die schlecht einschlafen. Die App kostet 2,99 € für iOS Smartphones und 3,69 € für Android Smartphone.

Playbrush: Zahnbürste wird zum Gamecontroller

Wer kennt das nicht: die Bettzeit naht und der Nachwuchs sträubt sich und möchte sich nicht die Zähne putzen. Abhilfe schafft die Eltern App Playbrush – sie verwandelt die Handzahnbürste zum Gamecontroller. Mithilfe von Bluetooth macht das Zähneputzen viel Spaß und es gibt etliche lehrreiche Spiele. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: die Zähne sind gepflegt und gesund, die Kinder werden zum Zähneputzen motiviert und die Eltern starten entspannt in den Abend. Insbesondere größere Kinder, die sich bislang gegen das Zähneputzen gewehrt haben, können so zur Zahnpflege überredet werden. Die App kommt mit einer speziellen Zahnbürste, einer Smartphone Halterung und vier kostenlosen Spielen daher und ist für 29,99 € käuflich zu erwerben.

Es ist für die Kinder nicht möglich neue Applikationen eigenständig einzukaufen oder auch herunterzuladen. (#03)

Es ist für die Kinder nicht möglich neue Applikationen eigenständig einzukaufen oder auch herunterzuladen. (#03)

ESRB – Bewertung von Computerspielen nach Kindereignung

Das Entertainment Software Rating Board aus Amerika – Abkürzung ESRB – bewertet Computerspiele und Apps nach ihrer Eignung für Kinder. Dadurch besitzen bereits jetzt einige amerikanische Apps eine Altersbeschränkung. Wie diese lautet, ist auf der Homepage von ESRB nachzulesen. Wer möchte, kann auch für jede einzelne Anwendung diese mithilfe der ESRB App selbst ermitteln. Die App ist englischsprachig und für die Anwendung müssen sich Eltern zunächst einmal mit dem eigenen Ratingsystem der App vertraut machen.

Logo Kidsplace – Anwendungen der Kinder eingrenzen

Mit der App Kids Place können Eltern mobile Applikationen eingrenzen, auf die ihr Nachwuchs zugreifen kann. Nur diejenigen Apps, die von den Eltern zuvor dem Kids Place hinzugefügt wurden und von den Eltern als unbedenklich eingestuft wurden, können dann auch aufgerufen werden. Es ist für die Kinder nicht möglich neue Applikationen eigenständig einzukaufen oder auch herunterzuladen. Weitere Einstellmöglichkeiten sind eine generelle Internetsperre oder auch eine Anrufsperre bzw. die Einschränkung des Versands von Kurzmitteilungen. Für Aktionen außerhalb der Bewilligung der elterlichen Vorgaben ist eine PIN erforderlich.

JusProg: Kinderschutz von Vodafone

JusProg ist auf Vodafone Handys installiert und erlaubt es, anhand verschiedener Altersabstufungen die Internetnutzung individuell einzustellen. Für nahezu alle Anwendungen sind Zugangsberechtigungen und Zeitbegrenzungen erfassbar. Dadurch können Eltern individuelle Vorgaben für die Smartphone Nutzung ihrer Kinder einstellen. Außerdem ist die sogenannte fragFINN Liste integriert, auf der geprüfte und ausgesuchte Kinder-Internetseiten stehen.


Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild: AA+W -#01:Stanisic Vladimir -#02:MNStudio  -#03: Picture-Factory

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Über Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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