Sexualität in der Schwangerschaft: was ist sicher und was ist unsicher?

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Sexualität in der Schwangerschaft beschäftigt die werdende Mutter als auch den Papi in spe. Wenn sich auf dem Test die zwei Striche zeigen, dann ist das für viele Eltern ein ganz besonderer Moment. Es erfüllt sich der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind. Ein positiver Schwangerschaftstest läutet aber auch eine neue Zeit in der Partnerschaft ein. Viele Paare sind sich unsicher, wie es mit Sexualität in der Schwangerschaft aussieht.

Die positive und die negative Seite der sexuellen Gefühle

Die Gefühle der werdenden Eltern fahren Achterbahn, das wirkt sich auch auf die sexuellen Gefühle aus. Viele Paare stellen fest, dass es sowohl positive als auch negative Faktoren gibt, die sich im Laufe der kommenden Monate zeigen werden.

Häufig stellen Partner fest, dass sie sich allein durch die Schwangerschaft einander viel näher fühlen. Zudem muss sich beim Geschlechtsverkehr kein Gedanke mehr über die Verhütung gemacht werden. Da die meisten Paare bewusst auf eine Schwangerschaft hingearbeitet haben, ist dies ein Punkt, der auch vorher schon durchaus für mehr Nähe gesorgt hat. Allerdings kann es gut sein, dass sich vor Eintreten der Schwangerschaft ein Gefühl von Zwang entwickelt hat. Gerade dann, wenn die Schwangerschaft nicht gleich eingetreten ist, macht sich schnell Verzweiflung breit. Das wirkt sich auch auf die Gefühle und die Nähe zueinander aus. Wenn dann die Schwangerschaft erst einmal eingetreten ist, bringt dies viel Entspannung mit sich.

Nicht zu unterschätzen sind auch die Hormone. Der Körper der Frau stellt sich hormonell um. Man könnte fast sagen, dass er erblüht. Durch die bessere Durchblutung im Unterleib können viele Frauen die Sexualität wieder mehr genießen. Sie haben mehr Spaß daran und können sich ihrem Partner mehr hingeben.

Video: Kann Sex in der Schwangerschaft mein Kind schädigen?


Aber es gibt auch hemmende Faktoren, die durchaus die Sexualität in der Schwangerschaft beeinflussen können. Gerade in den ersten Wochen der Schwangerschaft fühlen sich viele Frauen müde und erschöpft. Auch die Übelkeit betrifft einige Frauen und verhindert ein lustvolles Liebesleben. Weitere mögliche Probleme, die einen Einfluss auf die Sexualität haben können, sind:

  1. Unsicherheit beim Sex wegen der Schwangerschaft
    Viele Paare haben Angst davor, dass Geschlechtsverkehr der Schwangerschaft schaden kann. Diese Angst ist jedoch unbegründet, wenn es sich um eine intakte Schwangerschaft handelt. Der Fötus liegt gut geschützt in der Gebärmutter. Durch das Fruchtwasser und den fest verschlossenen Muttermund wird er durch Geschlechtsverkehr in keiner Weise beeinträchtigt. Auch die Unsicherheit vor Blutungen ist immer da. Vor allem dann, wenn es nach dem Geschlechtsverkehr zu einer Blutung kam.Hinweis: Der Unterleib ist während der Schwangerschaft deutlich stärker durchblutet. Hier kann es zu Kontaktblutungen kommen. Diese sind harmlos. Dennoch ist es eine gute Idee, Blutungen in der Schwangerschaft immer abklären zu lassen.
  2. Angst des Mannes
    Nicht nur Frauen haben Angst davor, dass der Geschlechtsverkehr dem ungeborenen Kind schaden kann. Gerade in der fortgeschrittenen Schwangerschaft fühlen sich viele Männer unsicher und denken darüber nach, ob sie eventuell das Kind verletzen können. Auch hier kann beruhigt werden. Der Penis reicht nicht bis zum Kind hin und kann daher das Kind auch nicht verletzen. Bei der Stellung können Paare variieren. Möchte der Partner nicht oben liegen, bieten sich andere Stellungen für den Geschlechtsverkehr an.
  3. Fehlende Libido
    Auch wenn die Hormone in der Schwangerschaft eigentlich dafür sorgen, dass die Frau ein erhöhtes Lustempfinden hat, muss das nicht immer sein. Einige Frauen geben an, dass ihre Libido deutlich eingeschränkt ist. Nicht selten geht eine eingeschränkte Libido auch mit negativen Gefühlen dem veränderten Körper gegenüber einher. Mit zunehmendem Bauchumfang fühlen sich manche Frauen nicht mehr attraktiv. Auch Rückenschmerzen oder andere Schmerzen können dafür sorgen, dass die Libido nachlässt.

Zum Thema „Sexualität in der Schwangerschaft“ gibt es einige Studien, die sich mit genau dieser Problematik beschäftigen. Hier wurden Frauen befragt, welche Veränderungen ihres Körpers dafür sorgen, dass sie keine Freude mehr am Geschlechtsverkehr haben. Unter anderem wurde benannt, dass Blutungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie Bauchkrämpfe und die Angst vor Infektionen besonders allgegenwärtig sind.

Video: Stellungstricks, Tipps für den Sex in der Schwangerschaft


Gerade im letzten Trimenon der Schwangerschaft haben viele Paare zudem Angst, durch den Geschlechtsverkehr Wehen auszulösen. Das hängt nicht selten auch damit zusammen, dass überall empfohlen wird, Geschlechtsverkehr zu haben, wenn das Kind auf sich warten lässt. Hierfür gibt es zwei Gründe. Durch einen Orgasmus wird Oxytocin ausgeschüttet. Zudem enthält Sperma Prostaglandine. Diese können Wehen fördern. Dafür ist allerdings eine bestimmte Menge notwendig, die in Sperma nicht enthalten ist. Fakt ist: Geschlechtsverkehr kann sich nur dann wehenfördernd auswirken, wenn der Körper bereits Wehen hat oder wenn das Kind geburtsreif ist.

Also ist Sex in der Schwangerschaft okay?

Auch beim Sex in der Schwangerschaft gilt natürlich, dass beide Seiten Spaß haben müssen. So lange die Schwangerschaft ohne einen auffälligen Befund verläuft, die Frau keine Schmerzen hat und beide Partner Freude am Geschlechtsverkehr haben, ist Sex in der Schwangerschaft problemlos möglich. Sowohl klassischer Geschlechtsverkehr als auch Oral- und Analverkehr schaden dem Baby nicht.

Hinweis:
Wenn ein Paar Analverkehr praktizieren möchte, dann sollte beim Geschlechtsverkehr nicht zwischen Analverkehr und Vaginalverkehr hin und her gewechselt werden. Auf diese Weise können Darmbakterien übertragen werden, die möglicherweise für eine Infektion sorgen.

Wenn durch den Frauenarzt jedoch festgestellt wurde, dass die Schwangerschaft nicht ohne Probleme verläuft, kann es durchaus sein, dass auf Sex in der Schwangerschaft verzichtet werden muss. Das ist beispielsweise der Fall bei vorzeitigen Wehen oder auch bei Blutungen. In diesem Fall kann Geschlechtsverkehr dafür sorgen, dass sich der Befund noch verschlechtert. Dies wird dann aber explizit durch den behandelnden Arzt angesprochen. Sobald sich jedoch einer der beiden Partner beim Geschlechtsverkehr unwohl fühlt, sollte darauf verzichtet werden. Es gibt noch andere Wege, dem Partner während der Schwangerschaft nahe zu sein und die gemeinsame Zeit genießen zu können.

Wann Sex in der Schwangerschaft tabu sein kann:

  • wenn sich der Muttermund vorzeitig öffnet
  • bei früheren Fehlgeburten
  • bei Mehrlingsschwangerschaften
  • bei vorzeitigen Wehen, die eine Frühgeburt ankündigen
  • bei Blutungen
  • wenn der Mutterkuchen falsch sitzt
  • bei chronischen Erkrankungen wie z.B. Diabetes
  • bei Genital-Infektionen bei ihm oder ihr
  • die Fruchtblase bereits geplatzt ist

Sollte einer (oder gar mehrere) dieser Punkte zutreffen, wäre ein vorheriges Gespräch mit dem Frauenarzt dringend anzuraten.

Vibratoren und andere Hilfsmittel in der Schwangerschaft

Paare, die beim Geschlechtsverkehr gerne zu kleinen Hilfsmitteln greifen, müssen darauf in der Schwangerschaft ebenfalls nicht verzichten. Einige Frauen leiden unter Scheidentrockenheit. Hier kann es helfen, zu einem ph-neutralen Gleitgel zu greifen.

Sehr beliebt ist auch der Einsatz von Vibratoren. Auch diese können in der Schwangerschaft ohne Bedenken eingesetzt werden. Aber auch hier kommt es auf die richtige Reinigung an, nachdem die Hilfsmittel eingesetzt wurden. Es gibt spezielle Reinigungsmittel, die dafür sorgen, dass mögliche Bakterien direkt entfernt werden.

Und danach?

Auch nach der Schwangerschaft wird es noch einige Zeit dauern, bis man wieder zu der gewohnten Sexualität zurückfindet. Hier hilft nur Zeit, Geduld und Verständnis.


Bildnachweis: © Fotolia – Voyagerix

Über Sabrina Müller

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

3 Kommentare

  1. Avatar

    Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es in der Schwangerschaft keine Probleme mit dem Sex gab.
    Anfangs natürlich sowieso nicht.
    Später, als die Schwangerschaft dann deutlich sichtbar war, haben wir einfach langsamer gemacht, was auch total klasse war.
    Ich finde, man muss darauf nicht verzichten.
    Schwanger sein ist ja auch keine Krankheit 😉

  2. Avatar

    Ich finde Sex während der Schwangerschaft vollkommen okay, solange man sich noch attraktiv fühlt und es noch funktioniert.

  3. Avatar

    Schwangerschaft ist kein Hinderungsgrund für Sex – man muss halt die Stellung anpassen, sobald der Bauch deutlich größer wird. Aber mit genügend Liebe und Fantasie ist das kein Problem.

    Natürlich kommt es zum großen Teil darauf an, wie sich die Frau fühlt. Gibt es Probleme in der Schwangerschaft? Fühlt sie sich in ihrem sich verändernden Körper wohl oder nicht? Ist sie sehr schlapp und braucht viel Ruhe? Das sind alles Faktoren, die die Sexhäufigkeit sehr viel mehr beeinflussen als die Tatsache der Schwangerschaft an sich.

    Da die Geschlechtsorgane während der Schwangerschaft sehr gut durchblutet sind, haben viele Frauen vor allem im zweiten Schwangerschaftsdrittel sehr gern Sex – der Bauch stört noch nicht gar zu sehr und frau kann so richtig genießen.

    Einfach etwas ruhiger angehen lassen, öfter mal eine Massage (immer vorausgesetzt, dass eben keine Faktoren auftreten, die Sex für die Frau unangenehm machen würden) und es steht einem erfüllten Sexleben bis kurz vor der Geburt wenig im Weg.

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