Daumenlutschen bei Kindern: schlimm oder nicht?

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Es gibt viele Themen, die bei Eltern für Verunsicherung sorgen und eines dieser Themen ist das Daumenlutschen. Wenn die kleinen Finger in den Mund wandern und das Baby oder das Kleinkind genüsslich daran lutscht, stellen sich Eltern die Frage, wie schädlich diese Angewohnheit für die Zähne wohl tatsächlich ist. Wir haben das Daumenlutschen hinterfragt.

Beruhigung bereits im Mutterleib

Einige Eltern haben das Glück, während der Schwangerschaft ihr Baby am Daumen lutschen zu sehen. Schon im Bauch lernt der Fötus, dass er sich mit dem Daumenlutschen beruhigen kann. Nicht umsonst werden Menschenbabys als Säuglinge bezeichnet. Sie haben ein starkes Saugbedürfnis, das heute vor allem durch die Brust, die Flasche oder den Nuckel gestillt wird. Doch einige Babys lernen schon früh, dass eigentlich der Daumen, oder auch ein anderer Finger, sehr gut zur Beruhigung geeignet sind. Bei Müdigkeit, Angst, Krankheit oder auch einfach so als Tröster wandert der Finger dann in den Mund. Im ersten Lebensjahr sehen Eltern das Daumenlutschen noch als niedlich an. Bald schon denken sie jedoch darüber nach, wie sie es dem Nachwuchs wieder abgewöhnen können. Dabei ist das gar nicht unbedingt notwendig.

Die Intensität des Daumenlutschens

Ob dem Daumenlutschen wirklich Einhalt geboten werden muss, ist immer auch eine Frage der Intensität. Viele Kinder lutschen am Daumen und entwickeln hier selbst ein gutes Gefühl dafür, wie viel und intensiv sie diese Beruhigung brauchen. Oft sind es eher die Einflüsse von außen, die Eltern unsicher werden lassen. Hinweise zu Schäden an den Zähne, Fehlstellungen und Sprachfehlern werden sicher nicht selten fallen. Tatsächlich treten diese Schäden jedoch nur dann auf, wenn das Kind den Daumen fast ständig im Mund hat und stark daran saugt. Daumenlutschen ist jedoch, ähnlich wie die Verwendung des Nuckels, eine Gewohnheit. Gewohnheiten können auch wieder abgelegt werden. Tatsächlich gewöhnen sich die meisten Kinder das Daumenlutschen sogar von selbst wieder ab und das durchschnittlich bis zum 4. Lebensjahr. Das geht schrittweise. Erst wird das Daumenlutschen weniger und dann hört es ganz auf. So lange sich keine Zahnfehlstellungen oder auch Sprachfehler bemerkbar machen, brauchen Eltern hier eigentlich nicht eingreifen.

Daumenlutschen aufhören – so kann unterstützt werden

Haben Eltern sich entschieden, ihr Kind sanft vom Daumenlutschen entwöhnen zu wollen, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten für die Unterstützung. In erster Linie sollte erst einmal geschaut werden, welche Situationen das Daumenlutschen hervorrufen. Gerade bei etwas älteren Kindern ist es möglich, als Alternative zur Beruhigung auch andere Dinge zur Verfügung zu stellen. Gerade beim Daumenlutschen zur Schlafenszeit kann es helfen, das Kind in den Schlaf zu begleiten, ihm Nähe zu geben, eine Geschichte zu erzählen oder ein bestimmtes Kuscheltier als Begleiter anzubieten. Das Lutschen am Daumen bei Traurigkeit kann ebenfalls langsam durch Nähe oder auch durch einen anderen Tröster abgewöhnt werden. Hier können Eltern beispielsweise mit ihrem Kind gemeinsam ein ganz spezielles Kuscheltier aussuchen gehen.

Übrigens: Auch Langeweile kann ein Grund sein, warum der Daumen in den Mund wandert. Statt zu schimpfen ist es besser, einfach für Ablenkung zu sorgen. Je nach Alter des Kindes bietet es sich an, zu malen, basteln, singen oder auch eine Geschichte vorzulesen.

Daumenlutschen oder Schnuller? – Was ist besser?

Babys haben ein natürliches Saugbedürfnis, das einfach auch gestillt werden muss. Daher bieten Eltern ihren Kindern häufig einen Schnuller an. Dennoch kommt immer wieder die Frage auf, ob eigentlich der Schnuller oder doch eher der Daumen die bessere Variante ist, um eine Fehlstellung der Zähne zu vermeiden. Fakt ist: Bei einem exzessiven Lutschen, egal ob am Finger oder am Schnuller, können durchaus Fehlstellungen entstehen. Folgen, die aus dem Saugen heraus entstanden sind, bilden sich jedoch meist bis zum dritten Lebensjahr zurück. Das ist auch die Zeit, in der das Saugbedürfnis nachlässt und viele Kinder von sich aus damit aufhören, am Daumen zu lutschen.

Wenn Zahnärzte gefragt werden, ob Schnuller oder Daumen die bessere Lösung sind, dann gibt es hier immer wieder verschiedene Antworten. Grundsätzlich heißt es jedoch, dass sowohl Daumen als auch Schnuller dafür sorgen können, dass es zu Fehlstellungen kommt. Innerhalb der ersten zwei Lebensjahre ist es jedoch kein Problem, wenn sich Kinder auf diese Weise beruhigen. Anschließend kann beobachtet werden, inwieweit sich hier vielleicht mit Hilfe von Ablenkung und anderen Methoden zum Trösten das Daumenlutschen reduzieren lässt.

Gereizte Finger vom Daumenlutschen

Einige Kinder saugen sehr stark am Daumen, so dass es durchaus passieren kann, dass sowohl Haut als auch Nägel sehr dünn werden. Teilweise ist es auch so, dass offene Stellen entstehen können. Wenn das Kind schläft und der Finger nicht mehr im Mund ist, kann hier dünn eine fetthaltige Creme aufgetragen werden. Gerade bei größeren Kindern ist es auch möglich, die Creme am Tag aufzutragen und zu erklären, dass der Finger ein „Aua“ hat.


Bildnachweis: © pixabay.com – Efraimstochter

Über Sabrina Müller

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

1 Kommentar

  1. Carmen L.

    Hallo,
    ich finde Daumenlutschen viel schwieriger abzugewöhnen als den Schnuller (den kann man wegnehmen – den Daumen nicht) – wenn man also die Wahl hat, lieber Schnulli.
    lg
    Carmen

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