Verhaltensauffälligkeit: 7 Gründe

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Viele Eltern sind der Meinung, dass ihre Kinder eine Verhaltensauffälligkeit zeigen, wobei ganz klar gesagt werden muss, dass nicht jedes unangepasste Verhalten eine Störung oder Auffälligkeit darstellt. Einige Kinder sind einfach besonders lebhaft – an ADHS leiden sie deshalb noch lange nicht. Umgekehrt sind manche schulische Minderleister keinesfalls geistig minder bemittelt, sie können sogar eine Hochbegabung aufweisen und sind durch andauernde Unterforderung zum Minderleister geworden.

Der Begriff des Verhaltens

Als Verhalten wird die wahrnehmbare und durch Hilfsmittel erfassbare Veränderung eines Menschen oder Tieres bezeichnet, die der Verständigung untereinander dient. Jeder Organismus ist zu einem bestimmten Verhalten in der Lage, wobei dieses durch Lernen und durch die Umwelt beeinflusst werden kann. Für den Menschen gilt in Bezug auf das Verhalten die gesellschaftliche Norm, der er sich anzupassen hat. Wer hier aus der Reihe tanzt, wird als auffällig bezeichnet. Teilweise ist kaum Raum für ein individuelles Verhalten, wenngleich jedes Individuum dazu in der Lage ist. Wird nun eine nicht erwartete oder nicht angepasste Reaktion gezeigt, werden die Erwartungen anderer Menschen nicht erfüllt, so spricht man von einer Verhaltensauffälligkeit. Wichtig ist für die Beurteilung, dass ein fester Maßstab vorliegt, der für einen Vergleich herangezogen werden kann. Soziale, kulturelle, geistige, genetische und gesellschaftliche Normen und Gegebenheiten beeinflussen das Verhalten und müssen für die Beurteilung einer eventuell vorliegenden Auffälligkeit berücksichtigt werden.

Was sind Gründe für eine Verhaltensauffälligkeit?

In der Regel ist es nicht ein Auslöser allein, der für ein bestimmtes Verhalten berücksichtigt werden muss. Mehrere Faktoren spielen zusammen und ergeben eine Verhaltensauffälligkeit, die sich entweder in bestimmten Situationen oder allgemein zeigt. Diese Faktoren bedingen einander bzw. ergänzen sich. Leider neigen sowohl Eltern als auch Pädagogen dazu, die Gründe für ein nicht angepasstes Verhalten bei dem Kind zu suchen – die eigene Schuld am Verhalten wird nicht gern gesehen oder eingestanden. Wissenschaftlich gesehen sind die Gründe für Verhaltensauffälligkeiten bislang eher dürftig geklärt, zumal immer der individuelle Einzelfall betrachtet werden muss. Während ein Faktor im Zusammenspiel mit anderen Bedingungen bei einem Kind eine Störung hervorruft, kann ein anderes Kind diese Dinge kompensieren und zeigt ein ganz normales Verhalten. Ein Kind verarbeitet Dinge besser oder anders als ein anderes, einige Kinder haben ganz eigene Techniken zur Bewältigung von Problemen entwickelt, andere wiederum scheinen an Kleinigkeiten zu zerbrechen. Wichtige Einflussfaktoren sind die Persönlichkeit des Kindes, das soziale Umfeld, die Familie und die Gesellschaft.

Gründe für eine Verhaltensauffälligkeit, die in der Persönlichkeit begründet sind

1. Individuelle Merkmale des Kindes, angeborene Eigenheiten (Jungen sind oft verletzlicher als Mädchen), oft durch Schwangerschaftskomplikationen, Frühgeburt oder Drogenmissbrauch der Mutter in der Schwangerschaft hervorgerufen

2. Genetische Faktoren des Kindes (unter anderem Persönlichkeits- und Temperamentsmerkmale)

Gründe für eine Verhaltensauffälligkeit, die im sozialen Umfeld liegen

3. Gründe für eine Verhaltensauffälligkeit müssen immer auch im sozialen Umfeld gesucht werden. So spielt zum Beispiel die Betreuung in einer Kindertagesstätte eine nicht unwesentliche Rolle. Kinder müssen hier neue Aufgaben bewältigen, müssen sich in eine Gruppe integrieren und sich neuen Bezugspersonen anschließen.

Gründe für eine Verhaltensauffälligkeit, die in der Familie des Kindes liegen

4. Viele Kinder unter drei Jahren verbringen die meiste Zeit des Tages in der Familie, eine Fremdbetreuung ist längst nicht die Regel. Kinder ahmen das Verhalten der Eltern nach und versuchen, Aufmerksamkeit zu erringen – schlimmstenfalls durch störende Verhaltensweisen. Werden Kinder ignoriert, zu wenig gelobt oder gar misshandelt, äußert sich dies in einer Verhaltensauffälligkeit.

5. Probleme der Eltern führen zu psychischen Störungen bei Kindern (Kompensationsverhalten, Nachahmung, angeborene psychische Störungen)

6. Falsche Familienstruktur, zum Beispiel durch fehlende Vorbilder (wenn die Familie ohne Mutter oder Vater klarkommen muss)

Gründe für eine Verhaltensauffälligkeit, die in der Gesellschaft liegen

7. Leistungsdruck (die Gesellschaft erwartet leistungsbereite Kinder und Jugendliche; Anstrengungen, die nicht zum gewünschten Erfolg führen, werden nicht belohnt)

Was kann gegen eine Verhaltensauffälligkeit getan werden?

Eine Verhaltensauffälligkeit zeigt sich unter anderem in Hyperaktivität, Minderleistung, Depressionen, Schüchternheit, Aggressivität und vielen anderen Verhaltensweisen, die von der Gesellschaft als auffällig oder gar störend empfunden werden. Wichtig ist, die Gründe für das Verhalten der Kinder zu finden, denn ohne Gründe kann keine Behandlung gewinnbringend durchgeführt werden. Grundsätzlich gilt, dass eine Verhaltensauffälligkeit so früh wie möglich therapiert werden muss, wobei es nicht darum geht, die Symptome zu kaschieren, sondern es müssen die Gründe ausgemerzt werden. Bei einer Therapie können unter anderem

  • Erziehungsberatung
  • Betreuung durch einen Sozialpädagogen
  • Therapie bei einem Kinder- und Jugendpsychiater wie Katia Saalfrank
  • Behandlung mit Medikamenten
  • Familienhilfe
  • Familientherapie

zum Einsatz kommen. Das Verhalten der Kinder darf nie mit Schimpfen oder Strafen bedacht werden, es geht vielmehr darum, dass die Bezugspersonen des Kindes die Gründe für das jeweilige Verhalten herausfinden. Ein Kind möchte seine Eltern nicht ärgern, es kann sich aufgrund äußerer und innerer Faktoren nicht anders verhalten. Es braucht vor allem liebevolle Zuwendung und jede Menge Aufmerksamkeit, damit es sich weiter entwickeln kann und seine Probleme überwindet.

Wo finde ich weitere Informationen zum Thema Verhaltensauffälligkeit?

Interessante Hinweise auf Ursachen von Verhaltensstörungen von Kindern gibt das Bundesministerium für Bildung, Jugend und Soziales.
Auch Dr. Anke Langner von der HU Berlin gibt Erklärungen zum Verhalten und zur Vorgehensweise bei Auffälligkeiten von Kindern, zu finden unter diesem Link. Auch auf dieser Seite geht es um Verhaltensauffälligkeiten, diesmal werden konkret Schüler behandelt. Außerdem wird am Ende der Seite eine Liste mit weiterführender Literatur angeboten.


Bildnachweis: © pixabay.com – Pezibear

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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