Diagnose Schwangerschaftsdiabetes: Ursachen, Erkennung und Gegenmaßnahmen

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Mache ich alles richtig? Geht es meinem Kind gut? Diese Fragen sind während einer Schwangerschaft auf Dauerschleife gestellt und bescheren uns so manche schlaflose Nacht. Wenn zu diesen Ängsten die Diagnose „Schwangerschaftsdiabetes“ hinzukommt, ist das für viele werdende Mütter ein Schock.

Doch keine Sorge: Der sog. „Gestationsdiabetes“ verschwindet nach der Entbindung normalerweise von selbst – und bis es soweit ist, können Sie die Risiken für sich und Ihr Kind durch eine Änderung Ihrer täglichen Routinen auf ein Minimum reduzieren. Wir zeigen Ihnen, wie das geht.

 

Mache ich alles richtig? Geht es meinem Kind gut? (#01)

Mache ich alles richtig? Geht es meinem Kind gut? (#01)

Diabetes: Was bedeutet das?

Damit unser Körper seine täglichen Wunder vollbringen kann, benötigt er Energie. Diese Energie bezieht er aus der Nahrung – genauer: Aus dem Traubenzucker (Glucose), den wir über die Nahrung aufnehmen. Der Bedarf eines Erwachsenen liegt bei rund 200ml Glucose/ Tag, wobei 75% davon ausschließlich für die Aufrechterhaltung der Gehirnfunktionen benötigt werden.

Die täglich benötigte Glucosemenge von 200ml wird direkt nach der Aufnahme vom Körper verarbeitet. Der überschüssige Traubenzucker wird bei einem gesunden Menschen durch den Botenstoff Insulin aus der Blutlaufbahn in die Zellen transferiert, wo er als sog. „Speicherzucker“ (Glykogen) eingelagert wird. Sind bereits alle Zellen gesättigt, sorgt das Insulin dafür, dass die restliche Glucosemenge in der Leber eingespeichert wird, von wo aus die Energie bei Bedarf wieder abgegeben wird.

Bei Menschen mit Diabetes Mellitus, von denen in Deutschland derzeit etwa sechs Millionen Fälle diagnostiziert sind, ist dieser Glucose-Kreislauf in gewisser Weise gestört. Bei 5 bis 15 % der Fälle handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung (Diabetes-1-Typ), bei den verbleibenden 85 bis 95 % entsteht der Diabetes aufgrund einer Insulinresistenz (Diabtes-2-Typ): Während das Insulin beim Diabetes-2-Typ nicht wirksam verarbeitet werden kann oder der Körper grundsätzlich zu wenig Insulin für die aufgenommene Glucosemenge produziert, besteht die Autoimmunerkrankung (Diabetes-1-Typ) darin, dass das körpereigene Immunsystem die Betazellen der Bauchspeicheldrüse angreift. Dies hat zur Folge, dass dort kein Insulin mehr produziert wird.

Ohne Insulin kann die überschüssige Glucose nicht in die Zellen gelangen und dort zu Speicherzucker umgewandelt werden – die Folge ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Ein unerkannter und infolgedessen unbehandelter Diabetes kann ernsthafte gesundheitliche Folgen nach sich ziehen:

  • Durchblutungsstörungen und Gefäßverengungen in den Extremitäten, die im schlimmsten Fall zur Amputation führen können.
  • Schädigungen der Nieren (durch Ablagerung von Zuckermolekülen)
  • Netzhautschäden und eine dadurch bedingte Verringerung der Sehkraft (durch Anlagerung von Zuckermolekülen an den Kapillaren im Auge)
Der Gestationsdiabetes tritt bei 3 bis 14 Prozent aller Schwangerschaften auf und entwickelt sich etwa ab der 20. Woche. (#02)

Der Gestationsdiabetes tritt bei 3 bis 14 Prozent aller Schwangerschaften auf und entwickelt sich etwa ab der 20. Woche. (#02)

Ursachen: Warum habe ich plötzlich Diabetes?

Wenn Sie sich um Ihren Blutzuckerspiegel nie zuvor Gedanken machen mussten und während der Schwangerschaft plötzlich erhöhte Werte auftreten, dann leiden Sie höchstwahrscheinlich unter einem Schwangerschaftsdiabetes. Der Gestationsdiabetes ist weder eine Autoimmunerkrankung (Typ-1 Diabetes) noch eine Insulinresistenz infolge eines zucker- und fetthaltigen Speiseplans (Typ-2 Diabetes), sondern entsteht aufgrund von Veränderungen im Hormonhaushalt.

Um eine optimale Entwicklung des Fötus zu gewährleisten, produziert Ihr Körper große Mengen an verschiedenen Hormonen (u.a. Östrogen und Progesteron), die wiederum für eine Erhöhung der bereitgestellten Energiemengen sorgen. Besonders große Mengen dieser Hormone werden in der zweiten Schwangerschaftshälfte gebildet. Reicht die Insulinproduktion in dieser Zeit nicht aus, um die Zellen mit diesen Energiereserven zu „sättigen“ bzw. überschüssigen Traubenzucker in Leber und Muskeln einzuspeichern, steigt der Blutzuckerspiegel.

Der Gestationsdiabetes tritt bei 3 bis 14 Prozent aller Schwangerschaften auf und entwickelt sich etwa ab der 20. Woche. Ein erhöhtes Risiko besteht für

  • Schwangere ab 30 Jahre,
  • Frauen mit metabolischem Syndrom bzw. einer deutlichen Gewichtszunahme während der Schwangerschaft,
  • werdende Mütter, die bereits in einer früheren Schwangerschaft erhöhte Blutzuckerwerte hatten oder die genetisch für Diabetes veranlagt sind (Familienmitglieder mit Diabetes),
  • Frauen, die bereits ein Kind mit erhöhtem Geburtsgewicht (mehr als 4000 Gramm) auf die Welt gebracht haben,
  • Frauen, die Medikamente einnehmen, die sich negativ auf den Insulinhaushalt auswirken.

In diesen Fällen handelt es sich um eine sog. „Risikoschwangerschaft“, bei der so früh wie möglich entsprechende Tests durchgeführt werden sollten. Bleibt der Gestationsdiabetes unerkannt und infolge dessen unbehandelt, bestehen folgende Risiken für das ungeborene Kind:

Das Behandlungsziel während eines Schwangerschaftsdiabetes ist die weitgehende Normalisierung bzw. Stabilisierung der Blutzuckerwerte.(#03)

Das Behandlungsziel während eines Schwangerschaftsdiabetes ist die weitgehende Normalisierung bzw. Stabilisierung der Blutzuckerwerte.(#03)

Diagnose: Früherkennung ist alles

Müdigkeit, Durstgefühl, Konzentrationsschwäche – all das sind mögliche Symptome für einen Schwangerschaftsdiabetes. Es sind aber auch normale Begleiterscheinungen, mit denen beinahe jede werdende Mutter zu kämpfen hat. Aus diesem Grund lässt sich der Gestationsdiabetes ohne ein speziell dafür entwickeltes Testverfahren, den sog. Glukosetoleranz- oder auch Zuckerbelastungstest, in der Regel nicht eindeutig feststellen.

Ausführliche Informationen über das Verfahren, die Normwerte und die Richtlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft finden Sie beispielsweise unter www.accu-chek.de. Der ideale Zeitpunkt für den Zuckerbelastungstest liegt zwischen der 24. und der 28. Schwangerschaftswoche. Wenn Sie zu den Risikogruppen für einen Gestationsdiabetes gehören, sollten Sie außerdem die zusätzlichen Vorsorge- und Ultraschalluntersuchungen wahrnehmen, die Ihnen laut Krankenkasse zustehen.

Ist die Diagnose erst einmal gestellt, ist die größte Gefahr bereits abgewendet: Wird die Insulinresistenz nämlich erst durch das Auftreten von Folgeerscheinungen (z.B. ein Anstieg des Fruchtwasservolumens oder unnormal schnelles Wachstum des Fötus) erkannt, so kann die Gesundheit Ihres Kindes bereits dauerhaft geschädigt sein. Wenn Sie jedoch direkt nach der Diagnose mit entsprechenden Gegenmaßnahmen beginnen, können Sie die Risiken für sich und Ihren ungeborenen Nachwuchs auf ein Minimum begrenzen.

Video:Schwangerschaft: Ernährung in der Schwangerschaft

Gegenmaßnahmen: Essen Sie sich gesund!

Das Behandlungsziel während eines Schwangerschaftsdiabetes ist die weitgehende Normalisierung bzw. Stabilisierung der Blutzuckerwerte. Das bedeutet, dass Ihr Wert im nüchternen Zustand unter 95 mg/dl liegen sollte. Mithilfe entsprechender Schulungen können Sie lernen, wie oft und wie Sie Ihren Blutzucker messen sollten und wie Sie die Ergebnisse interpretieren.

Bei der überwiegenden Mehrheit der werdenden Mütter mit Gestationsdiabetes, lassen sich die Werte durch eine Ernährungsumstellung und einer Erhöhung der sportlichen Aktivität regulieren, sodass die Einnahme von Medikamenten in der Regel nicht erforderlich ist. Die richtige tägliche Routine für normale Blutzuckerwerte konzentriert sich vor allem auf drei Faktoren:

  1. Anpassung der täglichen Kalorienzufuhr
  2. Reduzierung des Kohlenhydratanteils
  3. Regelmäßige Bewegung
Maßnahme Was bedeutet das für mich?
Anpassung der täglichen Kalorienzufuhr Da sowohl eine Gewichtszunahme als auch eine -abnahme während der Schwangerschaft eine zusätzliche Belastung darstellt, die Einfluss auf die Blutzuckerwerte haben kann, sollte Ihre tägliche Kalorienzufuhr Ihrem Bedarf entsprechen: nicht mehr, nicht weniger.

Wichtig: Entgegen der landläufigen Meinung benötigt eine Frau während der Schwangerschaft nicht die doppelte Menge an Kalorien, sondern lediglich etwa 200 kcal mehr als gewöhnlich. Diese Menge entspricht etwa einem großen Apfel.

Reduzierung des Kohlenhydratanteils Verzichten sollten Sie vor allem auf große Mengen sehr zuckerhaltiger Nahrungsmittel und sogenannte „schnell resorbierbare“ Kohlenhydrate (z.B. Weißmehlprodukte und Fruchtsäfte), da diese den Blutzuckerspiegel sehr schnell ansteigen und wieder abfallen lassen. Empfehlenswert sind hingegen Vollkornprodukte, da diese die Energie deutlich langsamer und vor allem kontinuierlich abgeben. Darüber hinaus sollten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen,  Mineralstoffen und Flüssigkeit (Wasser!) achten.
Regelmäßige Bewegung Körperliche Aktivität hat immer eine Senkung des Blutzuckerspiegels zur Folge. Aus diesem Grund ist sportliche Aktivität Ihr effektivstes Mittel gegen den Gestationsdiabetes. Versuchen Sie, die regelmäßige Bewegung in Ihren Tagesablauf zu integrieren und an Ihre persönlichen Vorlieben und Ihr Schwangerschaftsstadium anzupassen. Ganz gleich, ob Sie Schwimmen gehen, lange Spaziergänge oder Yoga machen – Ihr Körper wird es Ihnen danken.

Medikamente: Was passiert, wenn eine Ernährungsumstellung nicht ausreicht?

In etwa 20 Prozent aller Fälle ist der Schwangerschaftsdiabetes so stark ausgeprägt, dass eine Ernährungsanpassung nicht genügt, um die Blutzuckerwerte zu normalisieren. In diesen Fällen ist die medikamentöse Therapie mit Insulin notwendig, da die oralen Antidiabetika, die für die Behandlung des Typ-2-Diabetes eingesetzt werden, während der Schwangerschaft bisher nicht zugelassen sind.

Mit freundlicher Unterstützung von Accu-Chek®!


Bildnachweis©Fotolia-Titelbild: Syda Productions-#01:pololia-#02:yarkovoy-#03:Syda Productions

Über den Autor

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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