Geburtsklinik: Checkliste zur richtigen Wahl der Entbindungsklinik

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Viele schwangere Frauen stellen sich direkt nach dem positiven Testergebnis die Frage: Wo soll ich entbinden? Gut, dass Sie noch einige Monate Zeit haben, sich zu informieren. Stellen Sie sich zuerst die Frage, was Sie selbst gern möchten, wie die ideale Geburt für Sie ablaufen soll. Schauen Sie sich dann verschiedene Einrichtungen an und vergleichen Sie Ihre Vorstellungen mit der Realität, die Ihnen dort jeweils geboten wird. Im Folgenden finden Sie einige Kriterien, die Ihnen bei der Wahl der passenden Geburtsklinik helfen sollen.

Wahl des Entbindungsortes: Geburtshaus, Klinik, Hausgeburt

Stellen Sie sich zuerst die Frage, wo Sie entbinden wollen. Sicherlich gibt es einige werdende Mütter, für die kommt außer der Klinik kein anderer Geburtsort infrage. Nur dort wird die Sicherheit geboten, dass zu jedem Zeitpunkt der Geburt ein Arzt anwesend sein kann und im Notfall eingreift. Der Klinikgeburt gegenüber steht die Hausgeburt – entbinden in den eigenen vier Wänden, wo Sie sich wohlfühlen und wo das Neugeborene keinen fremden Keimen ausgesetzt ist. Dann gibt es noch das Zwischending – das Geburtshaus. Hier arbeiten erfahrene Hebammen, ein Arzt ist in Rufbereitschaft. Dennoch geht es familiär und individuell zu.
Welche der Möglichkeiten für Sie passend sind, hängt von mehreren Umständen ab. Zum einen hat sicherlich jede werdende Mutter eine Idealvorstellung von den Örtlichkeiten und der Geburt. Zum anderen spielt die Sicherheit eine Rolle. Sind bestimmte Vorerkrankungen vorhanden oder liegt das Baby nicht so, wie es liegen soll, kommt nur die Klinik infrage. Hebammen dürfen solche Risikogeburten gar nicht betreuen und müssten Sie ohnehin an eine passende Klinik verweisen.

Wann festlegen?

Lassen Sie sich nicht zu viel Zeit – aber genügend, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Die Wahl der Geburtsklinik wird nach verschiedenen Kriterien entschieden, daher sollten Sie ausreichend Zeit haben, die infrage kommenden Kliniken zu besuchen und kennenzulernen. Soll ein Familienzimmer vorhanden sein? Ist eine Wassergeburt geplant? Sollen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung stehen – Pezziball, Geburtsseil etc.?
Doch auch dann, wenn Sie sich erst später oder gar nicht festlegen wollen, stehen Sie nicht alleine da. Denn jede Klinik muss Sie aufnehmen, wenn Sie mit Wehen vor der Tür stehen. Sollten Sie allerdings einen Kaiserschnitt wünschen, so muss dieser von der Klinik rechtzeitig in den Dienstplan aufgenommen werden.
Übrigens: Die Kosten für eine Geburt in der Klinik werden von der gesetzlichen Krankenkasse getragen. Auch die Geburt im Geburtshaus wird hier einfach abgerechnet, dass die Frauen in Vorkasse gehen mussten, ist heute nicht mehr der Fall.

Checkliste: Welche Geburtsklinik wählen?

Die folgende Tabelle zeigt, welche Kriterien bei der Wahl der Geburtsklinik relevant sind:

Erreichbarkeit Die Klinik sollte binnen kürzester Zeit zu erreichen sein – manchmal verstärken sich Wehen schnell und das Baby will auf die Welt. Das gilt vor allem für Frauen, die nicht das erste Kind erwarten – zwischen den ersten regelmäßigen Wehen und der tatsächlichen Geburt liegen oftmals nur ein bis drei Stunden. Sollte der Weg zur Klinik länger sein, sollten Sie sich rechtzeitig dorthin begeben. Bedenken Sie je nach Lage eventuelle Verkehrsprobleme!
Der gute Ruf Fragen Sie bei Freundinnen um Rat und bemühen Sie das Internet um aussagekräftige Hinweise zum Ruf der Klinik. Auch im Geburtsvorbereitungskurs können Erfahrungen ausgetauscht werden. Wer keinen Kaiserschnitt wünscht, sollte sich nicht unbedingt in eine Klinik begeben, die mehr als die Hälfte der Kinder per OP auf die Welt holt.
Auf das Bauchgefühl hören Bei Informationsveranstaltungen lässt sich die Klinik gut kennenlernen. Außerdem merken Sie dort schnell, ob Sie zu Ärzten und Hebammen einen guten Draht bekommen und wie das allgemeine Klima in der Klinik ist.
Sie müssen sich in der Klinik einfach wohlfühlen, und ob das möglich ist, erfahren Sie bei einem ersten Rundgang durch den Kreißsaal und über die Wochenbettstation.
Ausstattung der Klinik Wenn bestimmte Ansprüche stehen, sollten diese unbedingt rechtzeitig geklärt werden. Ist ein Einzel- oder Familienzimmer gewünscht, die bereits erwähnte Wassergeburt oder ein Kaiserschnitt, muss geklärt werden, welche Möglichkeiten in welcher Klinik gegeben sind.
Einstellung des Personals Jede Frau wünscht sich, mit Hebammen und Ärzten auf einer Wellenlänge zu sein. Versuchen Sie in Gesprächen mit Hebammen herauszufinden, wie diese zu wehenfördernden Mitteln stehen, zu alternativen Heilmethoden oder zur Schmerzlinderung unter der Geburt.
Versorgung im Notfall Bei jeder Geburt kann etwas Unvorhergesehenes passieren, dann kommt es auf jede Minute an. Klären Sie daher, ob ein Kinderarzt in der gewünschten Klinik permanent anwesend ist oder nur Rufbereitschaft hat. Ist eine Intensivstation für Neugeborene vorhanden oder gilt die Klinik als Perinatalzentrum? Hier muss abgewägt werden, wie groß das individuelle Bedürfnis nach Sicherheit ist und welche Kriterien vielleicht wichtiger sind.
Statistiken der Klinik Auch hier kommt es auf das persönliche Gefühl an: Eine Frau ist ruhiger, weil sie weiß, dass viele Geburten in der Klinik durchgeführt werden und die entsprechende Erfahrung vorliegt. Andere wiederum wünschen sich weniger Geburten, damit sie in der Masse nicht untergehen und persönlich behandelt werden. Bei einer Betrachtung der Statistiken ist auch relevant, wie hoch die Zahl der Frühgeburten ist und wie viele Kaiserschnitte pro Jahr gemacht werden. Hierbei kann geklärt werden, wie gut eine natürliche Geburt möglich ist. Auch die Dammschnittrate kann interessant sein. Viele Kliniken versuchen heute, auf einen Dammschnitt zu verzichten. Auffällig viele Dammschnitte sind erklärungsbedürftig, weil so etwas einfach veraltet ist.
Ambulante Geburten Wenn Sie sich eine ambulante Geburt wünschen, sollten Sie vorher wissen, wie die ausgewählte Klinik dazu steht. Nicht, dass Sie im Eifer des Gefechts erfahren, dass man Sie ungern nach Hause gehen lässt, weil dies hier einfach nicht so üblich ist.

 

Diese Checkliste kann durch Punkte ergänzt werden, die sich vielleicht in einem persönlichen Gespräch mit Ärzten oder Hebammen ergeben und die Ihnen relevant erscheinen. Viele Frauen besuchen vier oder fünf Kliniken, manche sogar noch mehr. Nur selten stellt sich direkt nach dem ersten Besuch einer Klinik das Gefühl ein, dass man hier entbinden wolle. Doch für den Fall, dass direkt alles passt, sollten Sie nicht zögern und sich für diese Klinik entscheiden. Sie ersparen sich selbst jede Menge Stress und Zweifel, wenn Sie eine Klinik gefunden haben, die Ihnen rundherum gefällt. Sie haben dann für den Rest der Schwangerschaft Zeit, sich auf die Geburt selbst vorzubereiten und eine Sorge weniger. Nutzen Sie die verbleibende Zeit dann lieber dafür, sich auszuruhen, zu entspannen und sich auf Ihr Kind zu freuen. Die Zeit nach der Geburt wird noch anstrengend genug!


Bildnachweis: © Fotolia – EPSTOCK

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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