Rückenprobleme bei Kindern – erkennen und vorbeugen

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Im 19. und 20. Jahrhundert spielten Rückenschmerzen keine wichtige Rolle. Heute sind sie eine Art Volkskrankheit, an der viele Erwachsene leiden. Die Rückenprobleme beginnen häufig im Kindesalter.

Die Kinder der aktuellen Generation werden von vielen Haltungsschäden geplagt. Etwa jedes zweite Schulkind bis 14 Jahre hat eine schlechte Körperhaltung. Erschreckend ist, dass ein Drittel aller Kinder Rückenschmerzen besitzen. Ein Phänomen, welches bis vor einigen Jahren nur Erwachsene kannten.

Die Ursachen für das Rückenleiden der jungen Generation ist vielfältig, lässt sich im Grunde aber auf eine Hauptursache resümieren: Bewegungsmangel. Bereits in der Schule verbringen die jungen Menschen einen Großteil ihrer Zeit auf Stühlen. Nach Schulschluss sitzen sie erneut – zu Hause am Schreibtisch – um ihre Hausaufgaben zu erledigen. Ihren Tag beenden sie – ebenfalls sitzend – vor dem Computer oder Fernseher. Diese starre Sitzhaltung, die im Laufe der Jahre immer mehr praktiziert wird, schadet der sich im Wachstum befindlichen Wirbelsäule und Rückenmuskulatur.

Wäre das Sitzen nicht bereits schädlich genug, kommt ein neues Problem hinzu: Der Blick nach unten auf das Smartphone oder Tablet. Diese beiden Geräte haben in den letzten Jahren immens an Popularität gewonnen. Insbesondere bei den Kleinen scheinen sie beliebt zu sein. Das Problem dabei ist, dass beim Blick nach unten große Kräfte auf den Nacken wirken, wie dieses Video erklärt.

Haltung des Kindes prüfen

Das Portal kidcheck.de informiert, wie Eltern Haltungsschwächen ihres Kindes erkennen können. Dazu betrachten sie ihr Kind in einem möglichst unbekleideten Zustand kritisch. Folgendes ist zu begutachten:

  • unterschiedlich große Taillendreiecke[1] sind ein mögliches Anzeichen für ein schief stehendes Becken
  • stark abstehende Schulterblätter[2] deuten auf eine schwache Oberrückenmuskulatur hin
  • das Hohlkreuz kann bis zum Vorschulalter normal sein; ab einem Alter von zehn Jahren deutet es auf eine schwache oder schlecht gedehnte Muskulatur hin

Neben der Körperhaltung ist es ratsam, die Beweglichkeit des Kindes zu testen. Kinder sollten bei durchgestreckten Knien in der Lage sein, die Zehen mit den Fingerspitzen zu berühren.

Der richtige Schulranzen

Bei Rückenschmerzen von Schulkindern ist häufig ein zu schwerer Schulranzen der Auslöser.

Bei Rückenschmerzen von Schulkindern ist häufig der falsche Schulranzen der Auslöser. (#02)

Bei Rückenschmerzen von Schulkindern ist häufig der falsche Schulranzen der Auslöser. (#02)

Bei vielen Kindern gehen die Haltungsschäden ab dem Schulalter los. Zu diesem Zeitpunkt beginnen sie, den vollgepackten Schulranzen von Montag bis Freitag zur Schule und zurück nach Hause zu tragen. Das Gewicht ist in den seltensten Fällen das zentrale Problem, sondern die Ergonomie des Rucksacks.

Inzwischen gibt es viele Schulranzen, die aus ergonomischer Sicht einwandfrei sind – jedoch nur für eine bestimmte Zeit. Dieses Problem haben die Schulranzen der Firma Ergobag nicht, wie aus der Beschreibung auf schulranzen.net hervorgeht. Die Rucksäcke besitzen ein mitwachsendes Trägersystem, welches an die wachsenden Schüler angepasst werden kann. Dieses System wurde von dem Ergonomiekonzept übernommen, welches bei Trekkingrucksäcken seit Jahren erfolgreich im Einsatz ist.

Eine weitere wichtige Maßnahme beim Thema Schulranzen ist die Gewichtsreduzierung, die Eltern ihren Kindern beibringen müssen. In den ersten Jahren in der Grundschule packen Eltern gemeinsam mit dem Nachwuchs den Schulranzen: Schwere Bücher und Zubehör gehören an die Rückenseite und nach unten. Wichtig ist auch, nicht benötigte Utensilien aus dem Ranzen zu nehmen, wenn sie am jeweiligen Tag nicht benötigt werden.

Zwei Stunden Bewegung pro Tag

Ein adäquater Schulranzen ist der erste Schritt auf dem Weg zu einem gesunden Kinderrücken. Er alleine reicht aber nicht aus. Eltern müssen ihre Kinder auffordern, sich regelmäßig und ausreichend zu bewegen.

Laut dem Rückenexperten Professor Dr. Dietrich Grönemeyer verhalten sich Kleinkinder von Natur aus rückengerecht. Das Problem beginnt in der Regel im Grundschulalter: Der Nachwuchs sitzt bis zu neun Stunden pro Tag. Das Resultat sind Haltungsschäden, in die es in diesem Artikel geht, sowie Übergewicht. Diese machen sich nicht immer sofort bemerkbar. Viele Probleme werden erst bei Jugendlichen oder Erwachsenen deutlich.

Sport ist bei Rückenschmerzen noch immer die beste Medizin. (#01)

Sport ist bei Rückenschmerzen noch immer die beste Medizin. (#01)

Eltern können die gesunde Entwicklung ihres Nachwuchses fördern, indem sie ihm ausreichend Raum für Bewegung zur Verfügung stellen. Gemeint ist nicht nur ein großes Kinderzimmer und ausreichend Platz zum Spielen in den anderen Räumen der Wohnung. Stattdessen ist es die Aufgabe der Erziehungsberechtigten, das Kind dazu zu ermuntern, sich zu bewegen. Sie müssen sich Zeit nehmen, um mit ihren Kindern gemeinsam zu toben und spielen.

Möglichkeiten für Bewegung gibt es viele: Auf dem Spielplatz, im Sportverein, auf dem Fußballplatz oder im Schwimmbad. Auch auf dem Schulhof sollte es solche Möglichkeiten geben. Sprechen Sie als Eltern mit der Schulleitung, wie die Bewegung der Kinder gefördert werden kann.

Die Experten der Techniker Krankenkasse weisen darauf hin, dass Kinder im Grundschulalter mindestens zwei Stunden Bewegung pro Tag benötigen. Diese ist aus dem Grund wichtig, weil sie durch die Bewegung auch ihre Koordination verbessern. Was sie zu jenem Zeitpunkt nicht lernen, können sie später nicht mehr nachholen. Fördern Sie als Eltern das Interesse des Kindes und helfen Sie ihm dabei, sich auf eine spaßige und muntere Weise zu bewegen.

[1] Leerräume zwischen dem Körper und den herabhängenden Armen
[2] in Fachkreisen Scapulae alatae (Engelsflügel) genannt


Bildnachweis:
© Fotolia
Titelfoto Robert Kneschke
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Über Iris Martin

Iris Martin

Iris Martin, Jahrgang bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, ist Mutter zweier Kinder. Rabauke 1 und Rabauke 2 sind Wunschkinder ersten Grades, treiben ihre Eltern regelmäßig an den Rand der Verzweiflung und wissen sie von dort mit einem lieblichen Augenaufschlag wieder wegzuholen. Iris ist derzeit mit ihren beiden Jungs zu Hause, genießt das Leben als Vollzeitmami und hält das Chaos so im Rahmen. Neuen Herausforderungen stellt sie sich dabei gerne – immer gut gewappnet mit dem Wissen, das nur aktiv agierende Eltern haben können.

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