Väter bei der Geburt: Sollten Väter im Kreissaal dabei sein?

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Heute scheint es für jeden selbstverständlich zu sein, dass der Vater des Kindes bei der Geburt dabei ist. So wie er die ganze Schwangerschaft mit seiner Frau erlebt, darf er auch bei der Geburt nicht fehlen. Aber nicht alle Frauen möchten den Partner im Kreissaal dabei haben und nicht alle Väter möchten dabei sein.

Was in den 1960er Jahren noch unvorstellbar war, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Schätzungen zu Folge sind heute neun von zehn Vätern mit dabei, wenn ihr erstes Kind geboren wird. Beim zweiten Kind sind es immerhin noch rund 70% der Väter. Ein echter Boom der Väter in den Kreissälen entstand in den 1970er Jahren. Während Väter davor vor verschlossenen Türen standen und nur auf eine positive Nachricht hoffen durften, sind sie heute live mit dabei – gerne sogar mit Handy oder Kamera ausgestattet. Doch wie gesund ist dieser Trend wirklich?

Nichts für schwache Nerven – Männer sind oft überfordert

Die Schwangerschaft ist eine aufregende Reise, die werdende Eltern sehr gerne zusammen antreten. Schon beim Kinderwunsch geht es los. Er ist stark interessiert an ihrem Eisprung und immer bereit, um die Zeugung in Gang zu setzen. Nach dem positiven Schwangerschaftstest geht es weiter. Viele Väter nehmen sich die Zeit und sind bei den Vorsorgeuntersuchungen mit dabei. Kommt das Gespräch jedoch auf den Kreißsaal und die Geburt vom Baby, macht sich Unbehagen breit. Anders als die Frau, braucht der Mann deutlich länger, um sich der Bedeutung einer Geburt bewusst zu werden. Wenn es dann soweit ist, stellen sich viele Männer die Frage, ob sie überhaupt bei der Geburt dabei sein möchten. Im Gespräch mit der Hebamme sollten Bedenken offen angesprochen werden können. Auch Geburtsvorbereitungskurse, an denen Mann und Frau teilnehmen, können helfen, Barrieren zu überwinden.

Die wohl größte Angst des Mannes ist es, in einem solch wichtigen Moment an der Seite seiner Frau zu versagen. Die Angst vor zu viel Blut, aber auch vor der Hilflosigkeit steht vielen Männern ins Gesicht geschrieben. Zweifel äußern aber nur die Wenigsten. Das hängt auch damit zusammen, dass die Erwartungshaltung groß ist. Heute wird oft nicht einmal mehr die Frage gestellt, ob der werdende Vater mit dabei sein möchte. Stattdessen wird wie selbstverständlich davon ausgegangen.

Nicht selten tut sich auch die Frau schwer mit der Ablehnung ihres Wunsches. Unsicherheiten treten auf. Möchte er mir nicht zur Seite stehen? Ist ihm unser Kind nicht so wichtig, wie mir? Gespräche sind in der Familie ganz besonders wichtig. Hilfreich ist es auch, wenn sowohl Mann als auch Frau sich eine Hintertür offen halten. Beide sollten die Möglichkeit haben, offen ihre Wünsche zu äußern. Dabei darf der Partner sich nicht angegriffen fühlen.

Angst vor dem Schnitt – wenn das Sexualleben sich ändert

Neben der Sorge, der eigenen Frau nicht ausreichend zur Seite stehen zu können, tragen Männer noch eine andere Angst in sich. Werde ich meine Partnerin nach der Geburt sexuell weiterhin attraktiv finden? 13% der Männer geben an, dass die Geburt sich negativ auf das Sexualleben ausgewirkt hat. Diese Angst ist also durchaus berechtigt. Es kann helfen, wenn sich beide Partner offen sagen können: Bis hier hin und nicht weiter. Auch die Frau sollte die Möglichkeit haben, ihren Partner vor die Tür zu schicken. Dies kann durchaus eine positive Auswirkung auf den Geburtsvorgang an sich haben.

Zeit nehmen – Informationen in der Schwangerschaft suchen

Schon in der Schwangerschaft sollte der werdende Vater sich zu diesem Thema Gedanken machen. Hier kann es durchaus hilfreich sein, in einem Online-Forum mit anderen Vätern in Kontakt zu treten. Oft kann es helfen, sich auszutauschen und so auch Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen. Eine Besichtigung des Kreissaals ist ebenfalls eine gute Option, um sich ein erstes Bild zu machen und sich mit dem Thema „Geburt“ und „Babys“ auseinanderzusetzen.


Bildnachweis: © freeimages.com – Mario Alberto Magallanes Trejo

Über den Autor

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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