Albanische Frauen kämpfen um ihre Zukunft

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In Albanien hat sich inzwischen einiges getan in Bezug auf die Rechte der Frau. Das gilt jedoch nicht für alle Regionen. Gerade im Norden des Landes haben Albanische Frauen keine Rechte. Hier gilt nach wie vor der Kanun. Bei dem Kanun handelt es sich um einen Verhaltenskodex, der noch aus dem Mittelalter stammt und besagt, dass die Frau ihrem Mann als Eigentum gehört. Das heißt auch, dass er alles mit ihr machen kann, was er möchte. Egal, ob er sie schlägt oder vielleicht sogar umbringt – der Mann hat keine Strafe zu erwarten.

Der Kampf um die Rechte der Frauen

Viele Albanische Frauen möchten es sich nicht länger gefallen lassen, in ihren Rechten derart stark beschnitten zu werden, daher hat sich eine albanische Frauenbewegung entwickelt. Das Hauptquartier der Frauenbewegung befindet sich in Tirana, der Hauptstadt von Albanien. Eine der Frauenrechtlerinnen ist Fabiola Laco-Egro. Sie hat in der Zeit, wo sie für die albanische Frauenbewegung unterwegs ist, gerade im Norden von Albanien schon viel erlebt. Unter anderem hat sie die Kleinstadt Puka besucht, in der gerade einmal 3.000 Menschen wohnen. In dieser Region ist es eine Seltenheit, dass eine Frau alleine in einem Restaurant oder Café sitzt und hier etwas bestellt. Inzwischen hat die Frauenbewegung in Puka ein Frauenzentrum eröffnet, an das sich die Frauen bei Problemen wenden können.

Gewalt als häufigster Grund für eine Flucht

Die Frauen, die in das Frauenzentrum kommen, haben in ihrer Ehe oder ihrem Zuhause meist viel Gewalt erlebt. Es ist nicht selten, dass Frauen in ihren Familien auch zu Tode kommen. Der Tod kann durch die Hand des Ehemannes, des Vaters oder sogar des eigenen Sohnes vollführt werden. Eine Strafe müssen die Männer nicht befürchten. Es ist ihnen erlaubt, die Frau bei Ungehorsamkeit zu strafen. Zudem ist es möglich, im Frauenzentrum auch medizinische Untersuchungen durchführen zu lassen. Oft ist für Frauen ein Termin bei dem Arzt die einzige Möglichkeit, um auch einmal alleine ihr Heim verlassen zu können.

Verschiedene unabhängige Organisationen haben eine Kampagne gestartet um durchzusetzen, dass Gewalt auch in Albanien als eine Straftat geahndet wird. Dies hatte nun endlich auch Erfolg. Seit 2014 wird häusliche Gewalt mit einer Strafe versehen und kann dafür sorgen, dass die Täter bis zu fünf Jahren in Haft bleiben müssen. Dabei ist es jedoch wichtig, dass die Tat durch die betroffene Frau angezeigt wurde. Dies ist ein weiteres Problem, denn viele Frauen trauen sich nicht, ihre Männer anzuzeigen und rechtlich gegen sie vorzugehen. Im Frauenzentrum erhalten die Frauen die notwendige Unterstützung, um für ihre Rechte einzustehen.

Unterstützung bei harter Arbeit

Neben den wenigen Rechten, die Frauen im Norden von Albanien haben, sind sie zudem dazu aufgefordert, harte Arbeit durchzuführen. Die Bestellung von Feld und Garten sowie die Pflege der Tiere liegen in den Händen der Frauen. Das heißt, diese müssen auch hinaus auf das Feld, wenn sie schwanger sind oder gerade entbunden haben, es regnet, stürmt und gewittert. Die Frauenrechtlerinnen besuchen Betroffene immer wieder und kontrollieren, ob sie zurechtkommen oder bieten ihnen Unterstützung an.

Teilweise sind Albanische Frauen sogar gezwungen, eine Arbeit weiter entfernt von ihrer Heimat anzunehmen und das Geld nach Hause zu schicken. Eine Ausbildung sowie die wirtschaftliche Eigenständigkeit sind ein Ziel der Frauenbewegung für die Frauen in Albanien. Dadurch kann sich die Stellung der Frauen in der Familie festigen und verändern. Kaum eine Frau schafft es, alleine durchzukommen, wenn sie sich für die Scheidung entschieden hat. Die Scheidung selbst lässt sich ebenfalls nicht so einfach durchsetzen.

Ein weiterer Punkt, der ein großes Problem darstellt, ist die Selektierung der Geschlechter bereits in der Schwangerschaft. Erfährt eine Frau, dass sie ein Mädchen erwartet, wird nicht selten ein starker Druck auf sie ausgeübt, so dass illegale Abtreibungen vorgenommen werden. Bei diesen Abtreibungen sind schon viele Frauen zu Schaden gekommen. Der Wunsch nach einem Jungen ist gerade für die Männer teilweise übermächtig, so dass sie auch nicht davor zurückschrecken, Gewalt anzuwenden um einen weiblichen Fötus zu töten.

In ihrem Kampf für mehr Rechte der Frauen vergessen die Frauenrechtlerinnen aber auch nicht, sich dennoch an Bräuche und Traditionen zu halten. Das ist wichtig. Allerdings handelt es sich hierbei um Bräuche, die den Frauen nicht schaden. Mit viel Mut und Druck auf die Regierung hat sich hier bereits viel getan und noch mehr soll in Zukunft passieren.


Bildnachweis: © Fotolia – Leonid Andronov

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

1 Kommentar

  1. Svenja

    Hallo,
    einen Artikel über den Kampf der albanischen Frauen habe ich hier nun nicht erwartet. Aber die Infos und die Vorstellung – ich wäre eine von ihnen – haben mich echt berührt.
    Was können wir (deutsche Frauen) denn für diese Frauen tun?
    lg
    Svenja

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