Vom Wert des Alters oder was sind uns die Alten heute noch wert?

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Überalterung der Gesellschaft: Vom Wert des Alters und warum wir unsere Senioren brauchen
Das Statistische Bundesamt schätzt, dass in Deutschland fast 17 Millionen Menschen leben, die 65 Jahre und älter sind. Aktuell werden 25 Millionen Renten ausgezahlt und die Anzahl der „Alten“ an der Bevölkerung bzw. der Ruheständler wird nicht abnehmen, im Gegenteil. Vor allem wenn man sich vor Augen führt, dass der Anteil der Bevölkerung im Senioren-Alter, nirgends so hoch ist wie in Deutschland.

Was ist heute noch vom Wert des Alters übrig geblieben?

Hier ist Deutschland also europaweit einsame Spitze. Ungeachtet der Tatsache, dass hierzulande fatalerweise auch immer weniger Rentner von ihren Altersbezügen leben können – laut einem „Zeit“-Artikel vom Juni habe sich die Zahl der Empfänger von „Alters-Hartz-IV“ seit 2003 mehr als verdoppelt – stellt sich noch eine ganz andere Frage: was ist im Laufe der Jahre vom Wert des Alters geblieben?
Denn früher, noch vor der zunehmenden Einkehr digitaler Medien in unseren Alltag und der Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft, galten die „Alten“ gemeinhin hin als „Ratgeber, als Übermittler der Traditionen, als Erfahrene“. So formulierte es die Frankfurter Psychologin, Wissenschaftlerin und ehemalige

Bundesfamilienministerin Prof. Dr. Ursula Lehr jüngst in einem Gastbeitrag auf der Website eines Pflegeheim-Trägers. Ältere waren Wissensübermittler, im Prinzip ganz ähnlich der Funktion eines Buchs.
Lehr ist der Ansicht, dass die Älteren in der heutigen Zeit jedoch nicht mehr gebraucht und daher kaum noch Wertschätzung erfahren würden. „Funktionen des Speicherns, Behaltens und Erinnerns wie auch die Weitergabe von Wissen und Informationen werden heutzutage weitgehend durch moderne Technologien ersetzt“, so Lehr.

Wird sie nach dem heutigen Wert des Alters gefragt, spricht sie von einem „Rollenverlust des ‚Alters‘ in unserer Gesellschaft“. Was bleibt da noch vom Wert des Alters?

Vom Wert des Alters: Es gibt nichts wertvolleres, für kInder mit Oma und Oma aufzuwachsen

Vom Wert des Alters: Es gibt nichts wertvolleres, für kInder mit Oma und Oma aufzuwachsen (#01)

Schon Herrmann Hesse sprach vom Wert des Alters

Natürlich: das Altern geht mit tiefgreifenden Veränderungen einher, in erster Linie körperlicher und emotionaler Natur. Aufhalten kann man es ohnehin nicht und ein jeder ist früher oder später davon betroffen.

Dass der letzte Lebensabschnitt trotz allem aber durchaus positive Aspekte beinhalten kann, davon war bereits Herrmann Hesse überzeugt. Der Nobelpreisträger, Verfasser zahlreicher Bücher und Autor von Klassikern wie „Siddhartha“ oder „Der Lederstrumpf“ befasste sich vor allem in seinen späteren Werken und Büchern mit dem Thema und sprach vom „Wert des Alters“.

Er schrieb dazu: „Traurig wäre es, sich einzig diesem Prozess des Verfalls hinzugeben und nicht zu sehen, dass auch das Greisenalter sein Gutes, seine Vorzüge, seine Trostquellen und Freuden hat.“ Für ihn waren das z.B. das Innehalten, die stille Einkehr, die Erinnerung an die bzw. Bilder der Vergangenheit und nicht zuletzt die Gelassenheit, Nachsicht und Geduld. All das würde mit dem Altern zunehmen.
Anfang des Jahres zeigte das Calwer Hermann-Hesse-Museum die Sonderausstellung „Hermann Hesse: Vom Wert des Alters“. Die Ausstellung ermöglichte anhand von Büchern und Dokumenten einen ausführlichen Blick in die letzten Lebensjahrzehnte Hesses, illustriert von Bildern seines Sohnes Martin.
Wenn sie sich für das ein oder andere Buch zu den Themen „Altern“, „Der Wert des Alters“ oder „Kunst des Älterwerdens“ interessieren, finden sie eine große Auswahl an Ratgebern und Sachbüchern, die sie online oder im nächsten Buchhandel kaufen können.


Bildnachweis:©Fotolia Titelbild: Phase4 #01 aletia2011

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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